Kasus-Trigger: Verben und Genitiv
Nicht jede Lücke hat eine Präposition links von sich. Steht dort nichts dergleichen, übernehmen zwei andere Trigger die Rolle: das Verb selbst, das bei einer kleinen Gruppe von Verben den Dativ statt des üblichen Akkusativs verlangt, und der Genitiv, der Besitz ausdrückt und eine eigene Endung am Nomen mit sich bringt.
Dieser Artikel zeigt Ihnen beide Trigger und schließt mit einer Checkliste, die alle vier Kasus-Trigger aus dieser Artikelserie zu einem einzigen Ablauf zusammenführt. Die Formen selbst holen Sie sich weiterhin aus Kasus-Referenz: die Artikeltabellen.
Kurzregel: Kein Präpositions-Signal? Dann fragt das Verb (Dativverben!) oder ein Besitzverhältnis (Genitiv: des + -s/-es) den Kasus ab.
Das Verb entscheidet: Dativverben und Akkusativobjekte
Wenn keine Präposition im Weg steht, entscheidet das Verb über den Kasus des Objekts. Der Normalfall ist der Akkusativ: die allermeisten Verben nehmen ein Akkusativobjekt (ich sehe den Mann, sie kauft die Tasche). Eine kleine, aber sehr prüfungsrelevante Gruppe verlangt jedoch den Dativ. Diese Verben müssen Sie auswendig kennen, denn man sieht ihnen den Dativ nicht an.
| Dativverb | Beispiel |
|---|---|
| helfen | Ich helfe dem Mann. |
| danken | Wir danken der Frau. |
| folgen | Folgen Sie dem Auto. |
| gehören | Das Buch gehört dem Kind. |
| gefallen | Der Film gefällt den Gästen. |
| antworten | Er antwortet dem Lehrer. |
| gratulieren | Ich gratuliere dem Kollegen. |
Merkhilfe: helfen, danken, gehören, gefallen, antworten, gratulieren drehen sich alle um zwischenmenschlichen Austausch, nicht um eine Handlung an einer Person. Stellen Sie sich vor, Sie reichen der Person etwas mit offener Handfläche, Hilfe, Dank, einen Glückwunsch, statt sie anzustoßen: Die Hand zeigt zur Person hin, landet aber nicht auf ihr. Bei dieser Gruppe häufiger Austauschverben ist die Person Empfänger, kein Ziel wie im Akkusativ, deshalb Dativ.
Sehen Sie eines dieser Verben und danach eine Lücke ohne Präposition, ist der Kasus Dativ, ganz ohne mit oder zu. Setzen Sie die Dativendungen:
Haben Sie es gespürt? Sie haben die Endungen nicht geraten, sondern am Verb erkannt, denn helfen, gehören und danken verlangen den Dativ ganz ohne Präposition, allein weil es diese drei Verben sind.
Zum Vergleich der Normalfall, das Akkusativobjekt. Hier ändert sich nur das Maskulinum (der → den), Neutrum und Femininum bleiben wie im Nominativ:
Genitiv am Nomen (-s oder -es)
Der Genitiv drückt Besitz oder Zugehörigkeit aus (die Farbe des Autos) und wird oft durch des oder der links signalisiert. Bei Maskulinum und Neutrum bekommt zusätzlich das Nomen eine Endung, und genau diese Endung ist im C-Test die eigentliche Lücke.
| Nomentyp | Endung | Beispiel |
|---|---|---|
| einsilbig oder endet auf -s, -ß, -x, -z, -tsch | -es | des Buches, des Hauses |
| mehrsilbig, endet auf Vokal, -er, -en, -el | -s | des Vaters, des Autos |
| feminin und Plural | keine | der Frau, der Kinder |
Kurz gesagt: Wo -es leichter auszusprechen ist, steht -es; sonst reicht -s. Feminine Nomen und Plurale bleiben im Genitiv unverändert. Setzen Sie die Nomenendung:
Schwache Maskulina (n-Deklination)
Eine kleine, geschlossene Gruppe maskuliner Nomen verhält sich anders als alle anderen: Sie bekommen in jedem Kasus außer dem Nominativ Singular die Endung -(e)n, auch im Akkusativ, wo sonst nur der Artikel wechselt (den Mann, aber den Studenten). Grammatiker nennen diese Gruppe die n-Deklination, im Alltag reicht "schwache Maskulina".
Zwei Untergruppen gehören dazu. Erstens maskuline Nomen für Personen oder Tiere, die schon im Nominativ auf -e enden: der Junge, der Kollege, der Kunde, der Experte. Zweitens eine kleine, auswendig zu lernende Liste ohne -e: der Student, der Herr, der Mensch, der Nachbar, der Präsident. Beide Gruppen bekommen die gleiche Endung, nur die genaue Form unterscheidet sich leicht.
| Kasus | der Student | der Kollege |
|---|---|---|
| Nominativ Singular | der Student | der Kollege |
| Akkusativ Singular | den Studenten | den Kollegen |
| Dativ Singular | dem Studenten | dem Kollegen |
| Genitiv Singular | des Studenten | des Kollegen |
| Nominativ Plural | die Studenten | die Kollegen |
| Akkusativ/Dativ/Genitiv Plural | die/den/der Studenten | die/den/der Kollegen |
Student endet auf einen Konsonanten und bekommt das volle -en (Studenten). Kollege endet schon auf -e und braucht nur noch -n (Kollegen). Im Plural sind ohnehin alle vier Kasus identisch, nur der Artikel wechselt, das Nomen selbst bleibt gleich.
Der Genitiv Singular ist hier die Ausnahme zur Ausnahme: Er bekommt kein zusätzliches -s wie bei starken Maskulina (des Mannes), sondern nur das gleiche -(e)n wie Akkusativ und Dativ: des Studenten, nicht des Studentens.
der Herr tanzt noch einmal aus der Reihe: im Singular bekommt er nur ein einzelnes -n (den/dem/des Herrn, nicht Herren), im Plural dagegen -en (die/der/den Herren).
Setzen Sie die Endungen:
Die schnelle Kasus-Checkliste
An jeder Endungslücke arbeiten Sie diese sieben Fragen von oben nach unten ab. Die erste, die zutrifft, gibt Ihnen den Kasus; die letzte prüft eine zusätzliche Nomenendung innerhalb dieses Kasus:
| Frage an die Lücke | Wenn ja → Kasus |
|---|---|
| Steht links eine feste Präposition (mit, für, während ...)? | der Kasus dieser Präposition |
| Gehört die Präposition fest zum Verb (warten auf, sich freuen über)? | der Kasus der festen Verbindung (meist Akkusativ) |
| Ist es eine Wechselpräposition (in, an, auf ...)? | wohin → Akkusativ, wo → Dativ |
| Ist das Verb ein Dativverb (helfen, danken, gehören ...)? | Dativ |
| Ist es ein normales Objekt ohne Präposition? | Akkusativ |
| Drückt es Besitz aus, oft mit des/der links? | Genitiv |
| Ist das Nomen dabei ein schwaches Maskulinum (Student, Herr, Mensch, Kollege ...)? | zusätzlich -(e)n am Nomen (n-Deklination) |
Die ersten drei Fragen drehen sich um Präpositionen. Die feste und die Wechselpräposition kennen Sie bereits aus:
Kasus-Trigger: PräpositionenDie zweite Frage, die feste Verbindung aus Verb und Präposition (warten auf, sich freuen über), ist ein eigenes Thema mit einer langen Liste:
Präpositionen & Rektion: Verben mit fester PräpositionEndgegner-Lücke
Jetzt alles zusammen, Lücke für Lücke mit der Checkliste. Drei Trigger in einem einzigen Satz auseinanderzuhalten, ist die anspruchsvollste Übung hier: bei bringt Dativ ganz ohne Nachdenken, warten auf klammert sich fest an den Akkusativ, und trotz verlangt zusätzlich noch die Genitiv-Endung am Nomen.
Häufige Fehler
Dativverb als Akkusativ behandelt. Ich helfe den Mann ist falsch. helfen verlangt Dativ: Ich helfe dem Mann. Lernen Sie die kleine Liste der Dativverben, denn man hört den Dativ diesen Verben nicht an.
Genitiv-Endung am Nomen vergessen. des Vater ist unvollständig. Maskulinum und Neutrum brauchen im Genitiv das zusätzliche -s oder -es: des Vaters, des Kindes.
Dativ Plural ohne -n am Nomen. Nach den im Dativ Plural bekommt auch das Nomen ein -n, wenn es nicht schon auf -n oder -s endet: mit den Kindern, mit den Freunden.
Zum Merken
- Ohne Präposition entscheidet das Verb: die meisten Verben nehmen Akkusativ, eine kleine Gruppe von Dativverben (helfen, danken, folgen, gehören, gefallen ...) verlangt Dativ.
- Genitiv am Maskulinum und Neutrum bedeutet zusätzlich -s oder -es am Nomen, feminin und Plural bleiben unverändert.
- Schwache Maskulina (n-Deklination: Student, Herr, Mensch, Kollege ...) bekommen in jedem Kasus außer Nominativ Singular ein -(e)n, auch im Genitiv, dort aber ohne zusätzliches -s.
- Die Kasus-Checkliste führt alle vier Trigger in einem Ablauf zusammen: feste Präposition, feste Verb-Präposition-Verbindung, Wechselpräposition, Dativverb, normales Objekt, Genitiv, plus die Zusatzprüfung auf schwache Maskulina.
- Die Endungen selbst holen Sie aus den beiden Artikeltabellen in Kasus-Referenz: die Artikeltabellen, die Präpositions-Trigger stehen in Kasus-Trigger: Präpositionen.
Flexionsendungen wie diese machen zusammen etwa ein Fünftel aller C-Test-Lücken aus, Dativverben und Genitiv-Endung bilden darin aber nur einen kleineren Ausschnitt. Die Checkliste oben ist jetzt Ihr Werkzeug: Nutzen Sie die Übungen, um sie automatisch abzurufen.