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Adjektivendungen: Die Ein-Signal-Regel

Willkommen zurück. Wenn Sie im onSET schon ein paar C-Tests durchgearbeitet haben, kennen Sie das Gefühl: Der Wortstamm ist klar, das Wort erkannt, und trotzdem stockt der Stift bei der letzten Silbe. das kle___ Kind. Ist es -e? -es? -en? Genau hier verlieren die meisten Kandidatinnen und Kandidaten Punkte, denn im C-Test ist oft nur die Endung getilgt, und die Endung ist bei Adjektiven die Königsdisziplin.

Die Artikelendungen selbst, auf die sich diese Regel stützt, kennen Sie bereits aus:

Kasus-Referenz: die Artikeltabellen

Die gute Nachricht: Sie müssen sich keine drei Tabellen ins Gedächtnis prügeln. Es gibt eine einzige Frage, die fast jede Adjektivlücke löst. Nehmen wir sie uns Schritt für Schritt vor, immer mit kurzen Übungen dazwischen, damit die Regel sofort sitzt.

Kurzregel: Steht links KEIN Artikelwort → starke Endung (volles Signal). Steht der/die/das → -e oder -en. Steht ein/kein/mein → -er/-es an 3 Stellen, sonst -en. Im Zweifel: -en.

Die Ein-Signal-Regel

Der Kern ist erstaunlich schlicht: In jeder Nominalphrase muss genau ein Wort das Signal für Genus, Kasus und Numerus tragen. Signal heißt: eine Endung, an der man ablesen kann, ob das Nomen maskulin oder feminin ist, in welchem Fall es steht und ob es Singular oder Plural ist.

Steht links vom Adjektiv ein Artikelwort, das dieses Signal schon liefert (der, die, das, dem, den ...), dann darf sich das Adjektiv zurücklehnen. Es bekommt eine schwache Endung: nur -e oder -en. Fehlt das Signal, weil gar kein Artikel dasteht, muss das Adjektiv voll einspringen und die starke Signalendung tragen. Und dann gibt es einen Mittelweg: Nach ein, kein und den Possessivartikeln ist das Signal an drei Stellen unvollständig, dort mischt sich beides zur gemischten Deklination.

Merken Sie sich das Bild: Der Artikel und das Adjektiv teilen sich eine Aufgabe. Trägt der Artikel das Signal, ruht das Adjektiv. Schweigt der Artikel, spricht das Adjektiv.

Zum Aufwärmen die einfachste Variante, ein bestimmter Artikel im Nominativ:

Das sch Haus gehört meiner Familie.

der/die/das zeigt Genus und Kasus schon eindeutig, also reicht dem Adjektiv das entspannte -e. Genau nach diesem Muster gehen wir jetzt jede der drei Deklinationen durch.

Schwache Endungen: nach dem bestimmten Artikel

Der bestimmte Artikel (der, die, das, den, dem, des) ist das stärkste Signal, das es gibt. Er zeigt Genus und Kasus komplett an, deshalb bleibt für das Adjektiv nur die Wahl zwischen zwei Endungen. Die Faustregel: -e in den fünf "leichten" Feldern (Nominativ Singular aller drei Genera plus Akkusativ Feminin und Neutrum), -en in allen anderen zehn Feldern.

KasusMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder gutedie gutedas gutedie guten
Akkusativden gutendie gutedas gutedie guten
Dativdem gutender gutendem gutenden guten
Genitivdes gutender gutendes gutender guten

Sehen Sie das Muster? Die obere linke Ecke ist -e, der ganze Rest kippt in -en. Dativ und Genitiv enden ausnahmslos auf -en, das sind die sichersten Felder überhaupt. Wenn Sie im C-Test unsicher sind und ein bestimmter Artikel davorsteht, ist -en die statistisch beste Wette.

  • Die nette Frau hilft dem kleinen Kind.
  • Ich kenne den neuen Studenten aus dem letzten Semester.
  • Wegen des schlechten Wetters bleiben wir zu Hause.

Jetzt sind Sie dran. Achten Sie auf Kasus und Genus, dann fällt die Wahl zwischen -e und -en leicht:

Das kle Kind spielt im Garten. Ich sehe den gro Hund. Mit dem neu Auto fährt sie zur Arbeit.

Füllen Sie die fehlenden Endungen aus. Oben links steht immer -e, der Rest ist -en:

MaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativ
Akkusativ
Dativ-en-en-en-en
Genitiv-en-en-en-en

Gemischte Endungen: nach ein, kein und den Possessivartikeln

Jetzt wird es interessant. ein, kein und die Possessivartikel (mein, dein, sein, ihr, unser ...) liefern das Signal fast überall, aber an genau drei Stellen haben sie keine Endung und verraten das Genus nicht: Nominativ Maskulin (ein ohne -r), Nominativ Neutrum (ein ohne -s) und Akkusativ Neutrum. Dort muss das Adjektiv einspringen und die starke Signalendung tragen: -er im Nominativ Maskulin, -es im Nominativ und Akkusativ Neutrum. Überall sonst gilt wieder das entspannte -en.

KasusMaskulinFemininNeutrumPlural (kein)
Nominativein gutereine guteein guteskeine guten
Akkusativeinen guteneine guteein guteskeine guten
Dativeinem guteneiner guteneinem gutenkeinen guten
Genitiveines guteneiner guteneines gutenkeiner guten

Die drei fett hervorgehobenen Stellen oben (-er, -es, -es) sind die einzigen wirklich kniffligen Positionen der ganzen Deklination. Merken Sie sich diese drei, und der gesamte Rest der Tabelle ist wieder -en. Beachten Sie: ein selbst hat keinen Plural, aber kein und die Possessivartikel schon, und im Plural verhalten sie sich wie der bestimmte Artikel, also durchgehend -en.

Denken Sie an das Ein-Loch: ein verstummt an genau drei Stellen, Nominativ Maskulin, Nominativ Neutrum, Akkusativ Neutrum, weil ihm dort die verräterische Endung fehlt. Genau in dieses Loch muss das Adjektiv hineinspringen und selbst rufen: -er im Maskulinum, -es in beiden Neutrum-Fällen. Kein Signal von ein, keine Ruhe fürs Adjektiv.

  • Ein freundlicher Arzt hat mir geholfen. (Nom. Mask., Signal fehlt)
  • Ich habe ein interessantes Buch gelesen. (Akk. Neutrum, Signal fehlt)
  • Sie spricht mit einem alten Freund. (Dativ, entspannt -en)

Probieren Sie die drei Signalstellen aus:

Ein alt Mann wartet an der Tür. Sie hat ein klei Problem. Mein neu Fahrrad steht im Hof.

Die drei Signal-Positionen sind die einzigen kniffligen Stellen. Füllen Sie sie aus:

MaskulinFemininNeutrumPlural (kein)
Nominativ-e-en
Akkusativ-en-e-en
Dativ-en-en-en-en
Genitiv-en-en-en-en

Starke Endungen: ohne Artikel

Schwache und gemischte Endungen sind der B1-Kern. Starke Endungen ohne Artikel sind eher C1-Ausbau: Wer knapp an Zeit ist, darf diesen Abschnitt überfliegen.

Steht gar kein Artikel da, etwa bei Stoffnamen (Wasser, Tee, Luft), nach Mengenangaben oder in festen Wendungen, dann gibt es niemanden, der das Signal tragen könnte, außer dem Adjektiv selbst. Also trägt es die volle Signalendung allein. Der Trick: Diese Endungen sehen fast genauso aus wie der bestimmte Artikel. Wo der steht, kommt -er; wo das steht, kommt -es; wo dem steht, kommt -em; wo die steht, kommt -e.

KasusMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativguter Weingute Milchgutes Biergute Weine
Akkusativguten Weingute Milchgutes Biergute Weine
Dativgutem Weinguter Milchgutem Bierguten Weinen
Genitivguten Weinsguter Milchguten Biersguter Weine

Die einzige Ausnahme vom "wie der Artikel"-Prinzip ist der Genitiv Maskulin und Neutrum: Dort steht -en (nicht -es), weil das Nomen schon ein -s trägt (guten Weins). Sonst gilt: Fehlt der Artikel, kopiert das Adjektiv genau die Form, die der bestimmte Artikel hätte.

  • Deutscher Wein schmeckt gut. (Nom. Mask.)
  • Bei schlechtem Wetter bleiben wir zu Hause. (Dat. Neutrum)
  • Frische Luft tut gut. (Nom. Fem.)

Jetzt tragen Sie das Signal selbst ein, ganz ohne Artikel als Stütze:

Kal Wasser ist gesund. Sie trinkt hei Milch. Bei star Regen bleiben wir zu Hause.

Starke Endungen spiegeln den bestimmten Artikel. Füllen Sie Nominativ und Dativ aus:

MaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativ-e-e
Akkusativ-en-e-es-e
Dativ-en
Genitiv-en-er-en-er

Schnellentscheidung in drei Fragen

Im C-Test haben Sie keine Zeit, drei Tabellen abzurufen. Stellen Sie sich stattdessen der Reihe nach diese drei Fragen, dann landen Sie in Sekunden bei der richtigen Endung:

FrageAntwortDeklinationEndung
1. Steht links ein Artikelwort?neinstarkvolles Signal (-er/-e/-es/-em)
2. Ist es der/die/das (bestimmt)?jaschwachnur -e oder -en
3. Ist es ein/kein/mein (unbestimmt)?jagemischt-er/-es an 3 Stellen, sonst -en

Kurzfassung zum Mitnehmen: Kein Artikel gleich starkes Adjektiv. Bestimmter Artikel gleich schwaches Adjektiv. Unbestimmter Artikel gleich gemischt. Und wenn Sie zwischen -e und -en zögern und ein bestimmter Artikel davorsteht: -en ist in zwei von drei Fällen richtig, besonders in Dativ und Genitiv.

Testen wir die Entscheidung gemischt, mal schwach, mal gemischt. Die Wortbank hilft Ihnen bei der Auswahl:

Der freund··· Lehrer erklärt die schw··· Regel. Wir kaufen ein günst··· Ticket.

Häufige Fehler im C-Test

An diesen Stellen gehen im onSET die meisten Punkte verloren. Entscheidend ist, die Begründung zu kennen, nicht nur die Form auswendig zu haben:

  • ein große Mann → ✓ ein großer Mann. ein liefert im Nominativ Maskulin kein Signal, also muss das Adjektiv ran: -er.
  • ein kleine Kind → ✓ ein kleines Kind. Akkusativ Neutrum nach ein, dieselbe Logik, Endung -es.
  • alle neue Bücher → ✓ alle neuen Bücher. Nach alle, beide, welche verhält sich das Adjektiv wie nach dem bestimmten Artikel, also fast durchgehend -en.
  • ein junger, sportliche Mann → ✓ ein junger, sportlicher Mann. Mehrere Adjektive nebeneinander tragen dieselbe Endung. Das zweite kopiert das erste, nicht den Artikel.

Der letzte Punkt ist im C-Test besonders tückisch, weil er sich gegen das Gefühl sträubt. Ordnen Sie hier die Endungen richtig zu:

Ich trinke gern grü··· Tee. Das war ein gro··· Erfolg. Alle neu··· Studenten sind schon da.

Wenn Sie aus diesem Kapitel nur eine Sache mitnehmen: Fragen Sie zuerst, ob das Artikelwort das Signal schon trägt. Trägt es das Signal, ruht das Adjektiv (schwach). Schweigt es ganz, spricht das Adjektiv laut (stark). Dazwischen liegt die gemischte Deklination mit ihren drei berühmten Signalstellen. Adjektivendungen gehören zu den grammatischen Endungen, die im onSET-C-Test grob ein Fünftel (rund 21 %) aller Lücken ausmachen, diese eine Frage lohnt sich also mehrfach.

Endgegner-Lücke

Die letzte Übung mischt alle drei Deklinationen ungefiltert, ganz ohne Aufwärmung: Nehmen Sie sich für jede Lücke kurz die drei Fragen vor. Wenn Sie hier ohne Zögern durchkommen, sitzt die Ein-Signal-Regel.

Mit gut Laune beginnt der Tag. Der al Mann liest ein spann Buch.

Drei Lücken, drei Deklinationen, eine Regel.

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