Wortbildung: Suffixe
Wortbildung ist eines der am meisten unterschätzten Kapitel im ganzen Kurs, dabei ist der Ertrag pro Minute kaum zu schlagen. Sehen Sie im Text den Stamm organi___, brauchen Sie kein Wörterbuch: Die Endung ist so gut wie sicher -tion, das Wort ist feminin, es heißt Organisation. Sie haben die Lücke gelöst, ohne den Rest des Satzes zu lesen.
Grob die Hälfte aller C-Test-Lücken, rund 44 %, sind unbekannte Wortstämme und keine Endungen oder Funktionswörter. Genau dafür sind Suffixe Ihr Werkzeug: Ein bekanntes Suffix macht aus einem fremden Stamm ein erschließbares Wort, feminin oder nicht, Nomen oder Verb. In diesem Kapitel bekommen Sie die produktivsten Suffixe und Präfixe mit Genus, Bedeutung und Beispielen, dazu nach jeder Tabelle eine kleine Übung im C-Test-Stil.
Kurzregel: Das Suffix verrät die Wortart: -ung/-heit/-keit/-schaft = Nomen (feminin!), -lich/-ig/-isch = Adjektiv, -bar = „kann man“. Wortart der Lücke zuerst bestimmen.
Wie Ihnen Suffixe im C-Test helfen
Ein Suffix hängt am Ende eines Wortes und legt dabei oft zwei Dinge fest: die Wortart (aus dem Adjektiv frei wird das Nomen Freiheit) und, bei Nomen, das Genus. Diese Regelmäßigkeit ist Ihr Vorteil. Sie müssen den halben Satz nicht lesen, wenn Sie den Stamm plus den passenden Endungstyp erkennen.
Merken Sie sich das Grundprinzip: Sichtbarer Stamm + typisches Suffix = rekonstruierte Lücke. mögl___ wird zu möglich, Frei___ zu Freiheit, studi___ zu studieren. Achten Sie beim Ergänzen immer auf die Wortart, die der Satz verlangt, und auf den Artikel, falls einer davorsteht: ein die vor der Lücke schließt -er und -chen sofort aus.
Nomen-Suffixe: das Genus steckt in der Endung
Die wichtigste Nachricht für den C-Test: Bestimmte Endungen legen das Genus zuverlässig fest. Alle folgenden femininen Suffixe sind immer die, ohne Ausnahme, die Sie sich merken müssten. Wenn Sie im Text einen Artikel die sehen und den Stamm erkennen, ist die Endung fast geschenkt.
| Suffix | Genus | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| -ung | die | Handlung, Ergebnis | die Meinung, die Übung, die Lösung |
| -heit | die | Zustand, Eigenschaft | die Freiheit, die Schönheit, die Gesundheit |
| -keit | die | Eigenschaft (nach -ig/-lich/-bar) | die Möglichkeit, die Schwierigkeit |
| -schaft | die | Gruppe, Zustand | die Freundschaft, die Wissenschaft |
| -tion | die | Vorgang, Handlung | die Nation, die Situation, die Information |
| -ität | die | abstrakte Eigenschaft | die Qualität, die Aktivität, die Universität |
| -ei | die | Ort, Tätigkeit | die Bäckerei, die Malerei |
| -er | der | handelnde Person, Gerät | der Lehrer, der Fahrer, der Computer |
| -ling | der | Person mit Eigenschaft | der Lehrling, der Frühling |
| -chen | das | Verkleinerung | das Mädchen, das Häuschen |
| -lein | das | Verkleinerung | das Büchlein, das Fräulein |
| -ment | das | Ergebnis, Mittel | das Dokument, das Instrument |
| -nis | das/die | Zustand, Ergebnis | das Ergebnis, die Kenntnis |
Bevor es weitergeht: Testen Sie, ob Sie das Genus aus dem Suffix schon automatisch abrufen. Ergänzen Sie den passenden Artikel:
Zwei kleine Eselsbrücken: -keit statt -heit steht nach Adjektiven auf -ig, -lich oder -bar (möglich wird zu Möglichkeit, nicht Möglichheit). Und die Verkleinerungen -chen und -lein machen jedes Wort zu das, auch wenn der Stamm eigentlich maskulin oder feminin ist (der Hund, aber das Hündchen). Eine häufige Ausnahme von -ment → das: der Moment ist maskulin.
Sie sehen im Text den Artikel die und die Stämme Frei und möglich. Ergänzen Sie die passenden Endungen:
Auch die anderen femininen Endungen lassen sich am Artikel und am Stamm ablesen. Ergänzen Sie:
Meinung ist eine Handlung oder Haltung (-ung), Information ein Vorgang aus dem Lateinischen (-tion), Freundschaft bezeichnet eine Beziehung oder Gruppe (-schaft). Alle drei sind die.
Ordnen Sie jedes Suffix seiner grammatischen Funktion zu:
Adjektiv-Suffixe: Bedeutung erkennen, Endung ergänzen
Adjektive tragen ihre Bedeutung im Suffix. Wenn Sie wissen, dass -bar so viel wie "kann getan werden" heißt, ergänzen Sie lesbar, machbar, essbar fast automatisch. Diese Endungen sind im C-Test häufig, weil Adjektive oft nur zur Hälfte dastehen.
| Suffix | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| -lich | Art und Weise, typisch für | freundlich, möglich, täglich |
| -bar | kann getan werden (passiv) | machbar, lesbar, essbar |
| -ig | mit einer Eigenschaft | sonnig, ruhig, wichtig |
| -isch | Herkunft, Zugehörigkeit | politisch, praktisch, kindisch |
| -los | ohne etwas | arbeitslos, hoffnungslos, sinnlos |
| -sam | Neigung, Eigenschaft | langsam, sparsam, aufmerksam |
| -haft | ähnlich, mit Merkmal | fehlerhaft, vorteilhaft |
| -voll | voll von etwas | wertvoll, sinnvoll, liebevoll |
| -reich | reich an etwas | erfolgreich, hilfreich, zahlreich |
Die Bedeutung entscheidet: -los heißt "ohne", -voll und -reich heißen "viel davon". Wenn der Satz sagt, dass jemand keine Arbeit hat, muss es arbeitslos heißen, nicht arbeitsvoll. Lesen Sie also kurz, welche Bedeutung der Kontext verlangt, dann passt die Endung.
Der Stamm steht da, die Bedeutung ergibt sich aus dem Satz. Ergänzen Sie die Adjektiv-Endungen:
Jetzt die Bedeutungen "ohne" und "zugehörig zu". Ergänzen Sie:
arbeitslos heißt "ohne Arbeit" (-los), politisch heißt "zur Politik gehörig" (-isch). Hätte der Satz "voller Ideen" gemeint, wäre es ideenvoll gewesen. Immer erst die Bedeutung, dann die Endung.
Das Verb-Suffix -ieren
Ein einziges Verb-Suffix ist im C-Test besonders praktisch: -ieren. Es steckt in Hunderten von Verben, die meist aus Fremdwörtern stammen. Wenn Sie einen internationalen Stamm wie stud, telefon oder organis sehen, ist die Endung fast sicher -ieren.
| Suffix | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| -ieren | Handlung, oft aus Fremdwörtern | studieren, telefonieren, organisieren, funktionieren |
Eine Besonderheit, die im C-Test auch das Partizip betrifft: Verben auf -ieren bilden das Partizip II ohne ge-. Es heißt studiert, nicht gestudiert, und organisiert, nicht georganisiert. Das ist eine der zuverlässigsten Regeln im Deutschen.
Die internationalen Stämme stehen da, ergänzen Sie das immer gleiche Suffix:
Alle drei Verben stehen im Präsens Plural, deshalb dreimal -ieren. Erkennen Sie den Fremdwort-Stamm, ist die Endung so gut wie geschenkt. Achten Sie nur auf die Zeitform: im Perfekt hieße es studiert, telefoniert, organisiert.
Präfixe: un-, ver-, be-, er-, ent-, zer-
Präfixe stehen vorne statt hinten, helfen im C-Test aber genauso, denn manchmal ist der Wortanfang die Lücke. Ein un- dreht die Bedeutung um, ein be- macht aus einem Verb ein transitives Verb, ein ver- signalisiert oft Veränderung oder einen Fehler.
| Präfix | Wirkung | Beispiel |
|---|---|---|
| un- | Verneinung, Gegenteil | unmöglich, unklar, das Unglück |
| ver- | Veränderung, weg, Fehler | verstehen, verkaufen, sich verlaufen |
| be- | macht das Verb transitiv | bekommen, besuchen, beantworten |
| er- | Beginn, etwas erreichen | erklären, erreichen, erkennen |
| ent- | weg, Gegenteil, Beginn | entscheiden, entwickeln, entfernen |
| zer- | kaputt, in Teile | zerstören, zerbrechen, zerreißen |
Die Bedeutung des Präfixes verrät oft die Lücke. Wenn der Satz sagt, dass etwas nicht geht, brauchen Sie un- (unmöglich). Wenn jemand eine Frage nicht versteht und sie noch einmal erklärt bekommt, sind ver-, er- und be- im Spiel.
Diesmal steht das Präfix schon da, es verrät bereits, welches Verb gemeint ist. Ergänzen Sie den Rest:
Schnelle Entscheidung: welches Suffix passt?
Wenn Sie an einer Lücke zögern, gehen Sie diese kurze Checkliste durch. Sie führt Sie vom Sinn des Wortes zur richtigen Endung:
| Frage an das Wort | Wahrscheinliche Endung |
|---|---|
| Nomen, abstrakt, feminin (Artikel die)? | -ung, -heit, -keit, -schaft, -tion, -ität |
| Person oder Gerät, das etwas tut? | -er (der) |
| klein oder niedlich? | -chen, -lein (das) |
| Adjektiv "kann getan werden"? | -bar |
| Adjektiv "ohne etwas"? | -los |
| Adjektiv "voll von etwas"? | -voll, -reich |
| Adjektiv "auf typische Art"? | -lich, -isch |
| Verb aus einem Fremdwort? | -ieren |
Zwei Kontrollfragen helfen zusätzlich: Erstens, welche Wortart verlangt der Satz an dieser Stelle, ein Nomen, ein Adjektiv oder ein Verb? Zweitens, steht ein Artikel davor, der das Genus schon festlegt? Diese beiden Fragen schränken die möglichen Endungen meist auf eine einzige ein.
Häufige Stolpersteine
-heit und -keit verwechseln. Nach Adjektiven auf -ig, -lich oder -bar steht -keit: Möglichkeit, Schwierigkeit, Haltbarkeit. Nach einfachen Stämmen steht -heit: Freiheit, Schönheit. Es gibt kein Möglichheit.
ge- bei -ieren-Verben. Verben auf -ieren haben kein ge- im Partizip II. Richtig ist studiert, telefoniert, funktioniert, niemals gestudiert.
Genus der Verkleinerung. -chen und -lein machen jedes Wort zu das. Es heißt das Mädchen, obwohl es um ein Mädchen geht, und das Hündchen, obwohl der Hund maskulin ist.
Präfix und Suffix verwechseln. Ein Präfix steht vorne und verändert die Bedeutung, ein Suffix steht hinten und bestimmt Wortart und Genus. Im C-Test kann die Lücke an beiden Enden sitzen, achten Sie darauf, welche Hälfte des Wortes fehlt.
Der Kern hinter all diesen Fällen: Erkennen Sie im Stamm die Bedeutung und im Artikel das Genus, dann ist die fehlende Worthälfte kein Rätsel mehr, sondern eine Rechnung, die aufgeht.
Endgegner-Lücke
Zwei ähnliche Verben stehen nebeneinander, aber nur eines verstößt gegen die ge--Regel: Erkennen Sie den Fehler, obwohl der Nachbarsatz genau richtig klingt?
Er hat den ganzen Abend telefoniert und danach noch für die Prüfung gestudiert. Welches Wort ist hier falsch?
Verwandte Lektüre: Themenfelder und Ratestrategie in „Wortschatz-Strategie“, die Naht zusammengesetzter Wörter in „Zusammengesetzte Wörter“, und feste Wortpaare in „Kollokationen und FVG“.