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Komposita

Deutsch ist berühmt für Wortungetüme wie Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, kilometerlange Komposita, vor denen viele erst einmal zurückschrecken. Dabei reicht im onSET eine einzige Frage, um jedes davon zu knacken. Nehmen Sie die Wohnungstür: Warum die und nicht der oder das? Weil das letzte Wort, Tür, den Artikel bestimmt, ganz gleich, was davor steht. Genau dieses Prinzip löst jede Lücke, die im C-Test des onSET am Ende oder an der Naht eines Kompositums sitzt. Zusammengesetzte Nomen gehören zur großen Gruppe der Wortstamm-Lücken, die im C-Test knapp die Hälfte aller Lücken ausmacht; die Fugenregel selbst ist darin aber nur ein kleiner, klar abgrenzbarer Teil, den Sie schnell sicher beherrschen.

Die gute Nachricht: Ein Kompositum ist immer nach demselben Prinzip gebaut. Der letzte Teil, das Grundwort (auch Kopf genannt), trägt die grammatische Information. Er bestimmt den Artikel und den Plural. Die Teile davor, die Bestimmungswörter, sagen nur, um welche Art es geht. Und zwischen den Teilen steht manchmal ein kleines Verbindungsstück, das Fugenelement. Schauen wir uns beides in Ruhe an.

Kurzregel: Das letzte Wort bestimmt Genus und Grundbedeutung; links davor wird spezifiziert. An der Naht: Fugen-s nach -ung/-heit/-keit/-schaft/-tät/-ion.

Der Kopf bestimmt Genus und Plural

Merken Sie sich einen Satz: Das letzte Nomen gewinnt. Ob ein Kompositum der, die oder das ist, hängt allein vom Grundwort ab, nicht vom Wort davor. Das Haus, aber die Tür, ergibt die Haustür, weil Tür am Ende steht. Denselben Plural nehmen Sie ebenfalls direkt vom Grundwort.

KompositumZerlegungGrundwort (Kopf)ArtikelPlural
die HaustürHaus + Türdie Türdiedie Haustüren
der ArbeitsplatzArbeit + Platzder Platzderdie Arbeitsplätze
das GartenhausGarten + Hausdas Hausdasdie Gartenhäuser
die SonnenblumeSonne + Blumedie Blumediedie Sonnenblumen
der ApfelbaumApfel + Baumder Baumderdie Apfelbäume
das SchulbuchSchule + Buchdas Buchdasdie Schulbücher

Sehen Sie das Muster? Der Plural des ganzen Kompositums ist immer der Plural des Grundworts: Tür wird zu Türen, also Haustüren. Probieren Sie es gleich aus. Suchen Sie zuerst das Grundwort, dann folgt der Rest von selbst.

„Haustür“ endet auf „Tür“, also ··· Haustür; im Plural heißt es die Haust···. „Gartenhaus“ endet auf „Haus“, also ··· Gartenhaus.

Fugenelemente: die Nahtstellen im Überblick

Zwischen Bestimmungswort und Grundwort steht manchmal ein kleiner Verbinder, das Fugenelement. Im C-Test ist das goldwert: Fällt die Lücke genau auf die Naht, brauchen Sie nur zu wissen, welcher Verbinder hier üblich ist. Die folgende Tabelle zeigt alle Fugen, die Sie im onSET brauchen.

FugeTypische AuslöserBeispiel
-s-nach -ung, -heit, -keit, -schaft, -tät, -ion, -tum, -ling; dazu feste LernwörterFreundschaftsdienst (-schaft), Arbeitsplatz (Lernwort)
-n-/-en-schwache Nomen und viele Nomen auf -eStraßenbahn, Heldentat
-e-einige einsilbige NomenTagebuch, Hundehütte
-er-Nomen mit Plural auf -erKindergarten, Bilderrahmen
(keine)die meisten übrigen FälleTischbein, Fußball, Haustür

Die zwei häufigsten Nähte im onSET sind das Fugen-s und das Fugen-n. Testen Sie Ihr Gefühl an zwei klassischen Wörtern.

Setzen Sie die richtige Naht ein: die Straße + Bahn → die Stra···bahn; die Arbeit + Platz → der Arbe···platz.

Beide Nähte lernen Sie jetzt genauer kennen.

Fugen-s: die häufigste Naht

Ein Fugen-s ist keine reine Geschmacksfrage. Es hat zwei verlässliche Quellen. Die erste ist die Endung des Bestimmungsworts: Wenn das erste Wort auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -tät, -ion, -tum oder -ling endet, setzen Sie sicher ein s an die Naht.

Endung des BestimmungswortsBeispielwortKompositum
-ungdie Meinungdie Meinungsfreiheit
-heitdie Gesundheitdas Gesundheitsamt
-keitdie Möglichkeitdie Möglichkeitsform
-schaftdie Freundschaftder Freundschaftsdienst
-tätdie Universitätdie Universitätsbibliothek
-iondie Informationdas Informationsblatt
-tumdas Eigentumdie Eigentumswohnung
-lingder Lehrlingdas Lehrlingsgehalt

Diese Endungen sind Ihr Signal. Sobald Sie eine davon am Ende des ersten Wortteils sehen, ist die Lücke an der Naht ein s. Prüfen Sie es an zwei Beispielen.

Nomen auf „-ung“, „-heit“, „-keit“ und „-schaft“ bekommen immer ein Fugen-s. die Wohnung + Tür → die Wohntür; die Gesundheit + Amt → das Gesundamt.

Die zweite Quelle ist eine Gruppe fester Lernwörter. Manche häufigen Nomen tragen das Fugen-s, obwohl sie auf keine der obigen Endungen enden. Sie erkennt man nicht an einer Regel, sondern lernt sie als ganze Bausteine: Arbeit, Geburt, Liebe, Hilfe.

LernwortKompositum
die Arbeitder Arbeitsplatz
die Geburtder Geburtstag
die Liebeder Liebesbrief
die Hilfedas Hilfsmittel

Arbeitsplatz und Geburtstag gehören also nicht zur Endungsregel, sondern zu dieser Lerngruppe. Ein paar davon ändern zusätzlich ihre Form: Hilfe verliert vor dem s ihr -e (Hilfsmittel), Liebe behält es (Liebesbrief). Beachten Sie dabei: Liebe und Hilfe enden auf -e, nehmen aber trotzdem ein s statt des sonst üblichen Fugen-n. Genau solche Ausnahmen machen sie zu Lernwörtern. Diese Wörter kommen im onSET oft vor, prägen Sie sie sich als komplette Bausteine ein.

Fugen-n und Fugen-e

Neben dem s gibt es zwei weitere Nähte, die im onSET oft vorkommen. Das Fugen-n steht bei Nomen auf -e: femininen wie Straße und Sonne, aber auch maskulinen schwachen Nomen wie der Junge oder der Kollege. (Straße selbst ist feminin, kein schwaches Nomen; die -n-Fuge folgt hier einfach dem -e.) Die längere Form -en- steht bei schwachen Nomen wie der Mensch und bei Nomen, deren Plural auf -en endet (die FrauFrauen). Das Fugen-e begegnet Ihnen bei einigen einsilbigen Nomen.

FugeBestimmungswortKompositum
-n-die Straßedie Straßenbahn
-n-die Sonnedie Sonnenblume
-en-der Menschdie Menschenmenge
-en-die Frauder Frauenarzt
-e-der Tagdas Tagebuch
-e-der Hunddie Hundehütte

Achten Sie auf das Endungssignal des ersten Teils: Endet es auf -e (Straße, Sonne), ist ein n sehr wahrscheinlich. Ergänzen Sie die passenden Nähte.

die Sonne + Blume → die Son···blume; der Tag + Buch → das Ta···buch.

Im C-Test die Naht knacken

Jetzt bringen wir alles zusammen. Im onSET sehen Sie ein halb gelöschtes Kompositum und ergänzen die zweite Hälfte. Zwei Fragen führen Sie sicher ans Ziel: Was ist der Kopf (das gibt Artikel und Plural)? Und welche Naht verbindet die Teile? Die folgenden Zerlegungen zeigen den Weg.

KompositumZerlegungKopf → Artikel / PluralNaht
die ArbeitszeitArbeit + s + Zeitdie Zeit → die / die Zeiten-s-
die StraßenbahnStraße + n + Bahndie Bahn → die / die Bahnen-n-
der FreundschaftsdienstFreundschaft + s + Dienstder Dienst → der / die Dienste-s-
die UniversitätsbibliothekUniversität + s + Bibliothekdie Bibliothek → die / die Bibliotheken-s-
das TagebuchTag + e + Buchdas Buch → das / die Bücher-e-

Gehen Sie eine solche Zerlegung selbst durch. Bestimmen Sie zuerst den Artikel über den Kopf, dann die Naht, dann den Plural.

„Arbeitszeit“: Der Kopf „Zeit“ gibt den Artikel, also ··· Arbeitszeit. An der Naht steht ein Fugen-s: Arbe···zeit. Im Plural (die Zeit → die Zeiten): die Arbeits···.

Der Kopf Zeit ist feminin, also die Arbeitszeit. Arbeit gehört zu den festen Lernwörtern mit Fugen-s (wie Geburt und Hilfe), daher Arbeitszeit. Der Plural folgt Zeit: Zeiten, also Arbeitszeiten. Drei kleine Schritte, ein sicheres Ergebnis.

Schnelle Entscheidung

Wenn im C-Test ein Kompositum vor Ihnen steht, gehen Sie diese Liste durch:

  1. Kopf finden. Das letzte Nomen ist der Kopf. Es liefert Genus und Plural. (die Haustür → Kopf Türdie)
  2. Artikel und Plural übernehmen. Beides kommt direkt vom Kopf. (Plural von Tür ist TürenHaustüren)
  3. Naht prüfen: Fugen-s? Endet das Bestimmungswort auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -tät, -ion, -tum oder -ling, steht ein s. Auch feste Lernwörter wie Arbeit, Geburt oder Hilfe nehmen ein s.
  4. Naht prüfen: Fugen-n? Ist das Bestimmungswort ein schwaches Nomen oder endet es auf -e, steht oft -n- oder -en-.
  5. Sonst meist keine Fuge. Trifft nichts davon zu, werden die Teile ohne Verbinder aneinandergesetzt (Tischbein, Fußball).

Häufige Fehler

  1. Genus vom falschen Teil. das Haus, aber die Haustür. Der Kopf Tür entscheidet, nicht Haus. Falsch wäre „das Haustür“.
  2. Fugen-s vergessen. Nach -ung, -heit und Co. gehört ein s dazu. „Meinungfreiheit“ ist falsch, richtig ist Meinungsfreiheit.
  3. Fugen-s zu viel. Nicht jede Naht braucht ein s. „Tischsbein“ ist falsch, richtig ist Tischbein.
  4. Plural vom falschen Teil. Der Plural steckt im Kopf. Arbeitsplatz wird zu Arbeitsplätze (Platz → Plätze), nicht „Arbeitsplatzen“.

Endgegner-Lücke

Sechs Nähte auf einmal, und eine davon bricht sogar die Regel: Diese Lücke bündelt Fugen-s, Fugen-n und die nahtlose Ausnahme in einem Rutsch. Tippen Sie, was an der Naht fehlt: ein s, ein n oder gar keine Fuge. Vorsicht, beim nahtlosen Wort deckt die Lücke den Anfang des Grundworts ab, ergänzen Sie einfach dessen fehlende Buchstaben.

die Arbeit + das Zimmer → das Arbezimmer; die Straße + die Lampe → die Stralampe; die Geburt + der Tag → der Gebutag; die Sonne + der Schirm → der Sonschirm; das Land + die Karte → die Lanrte; die Hilfe + das Mittel → das Hilmittel.

In diesem Land herrscht Meinungfreiheit. Welches Wort ist hier falsch geschrieben?

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