Alle Artikel

Pluralbildung

die Fens___ – die Lücke steht da, und auf den ersten Blick sieht der deutsche Plural aus wie eine Sammlung von Zufällen: mal -e, mal -er, mal gar nichts. Schauen Sie genauer hin: das Fenster endet schon auf -er, also liefert die Lücke nur noch den Rest des Singulars zurück (ter), keine neue Pluralendung nötig. Das ist kein Zufallstreffer, sondern eines von nur fünf Signalen, die den deutschen Plural fast lückenlos erklären.

Pluralendungen gehören zur größten Lückengruppe im C-Test überhaupt, den Flexionsendungen, die schätzungsweise rund ein Fünftel aller Lücken ausmachen. Deutsch hat nur fünf Pluralmuster, und das Genus des Singulars sagt Ihnen fast immer, welches gerade dran ist. Schauen Sie auf den Artikel des Ausgangsworts (der, die, das) und auf die Endung des Singulars: Diese zwei Signale führen Sie zur richtigen Pluralendung. In diesem Kapitel gehen wir jedes Muster in Ruhe durch, mit Tabelle, Umlaut-Hinweisen und einer kleinen Übung direkt danach.

Kurzregel: Fünf Muster: -e (oft +Umlaut), -er (+Umlaut), -(e)n (Feminina!), -s (Fremdwörter), Nullendung (-er/-el/-en). Feminina auf -e → fast immer -n.

Die fünf Pluralmuster im Überblick

Bevor wir ins Detail gehen, hier die Landkarte. Prägen Sie sich vor allem die Spalte „Häufig bei“ ein, denn das Genus ist Ihr wichtigster Hinweis:

MusterTypische EndungHäufig beiBeispiel
1. Endung -e-e (oft Umlaut)viele Maskulina, einsilbigeder Tisch → die Tische, der Stuhl → die Stühle
2. Endung -(e)n-n / -endie meisten Femininadie Frau → die Frauen, die Blume → die Blumen
3. Endung -er-er (fast immer Umlaut)viele Neutra, einsilbigedas Kind → die Kinder, das Buch → die Bücher
4. Endung -s-sLehnwörter, Vokal am Wortendedas Auto → die Autos
5. Nullendung– (evtl. Umlaut)Mask./Neutra auf -en, -er, -elder Lehrer → die Lehrer, der Apfel → die Äpfel

Merken Sie sich die grobe Faustregel: Femininum → meist -(e)n. Maskulinum → meist -e. Neutrum einsilbig → oft -er. Die anderen zwei Muster (-s und Nullendung) erkennen Sie an der Wortform, nicht am Genus.

Welches Genus nimmt am häufigsten die Endung -(e)n im Plural?

Füllen Sie die Pluralform für jedes Substantiv aus:

SingularGenusPluralMuster
der Mannmumlaut + -er
die Frauf-en
das Kindn-er
der Vatermumlaut + -
das Auton-s

Muster 1: Endung -e (oft mit Umlaut)

Sehr viele einsilbige Maskulina bilden den Plural auf -e. Hat der Wortstamm ein a, o oder u, kommt oft ein Umlaut dazu (a → ä, o → ö, u → ü). Auch eine kleine Gruppe einsilbiger Feminina gehört hierher, dann fast immer mit Umlaut.

SingularPluralUmlaut?
der Tagdie Tagenein
der Tischdie Tischenein
der Stuhldie Stühleja: u → ü
der Sohndie Söhneja: o → ö
die Handdie Händeja: a → ä (Femininum-Ausnahme)
die Stadtdie Städteja: a → ä (Femininum-Ausnahme)

Wenn im C-Test also der oder ein einsilbiges Maskulinum auftaucht, ist -e Ihr erster Tipp, und prüfen Sie kurz, ob der Stammvokal einen Umlaut bekommen kann.

Testen wir es: Beim ersten Wort steht die Endung als Lücke, beim zweiten der Umlaut. der Tag hat kein umlautfähiges Muster hier, der Stuhl schon.

der Tag → die Ta. der Stuhl → die Sthle.

Muster 2: Endung -(e)n (kein Umlaut)

Das ist das freundlichste Muster: Feminina nehmen fast immer -(e)n und niemals einen Umlaut. Ob -n oder -en, hängt nur von der Endung des Singulars ab.

SingularPluralRegel
die Fraudie Frauen+ en
die Blumedie Blumen+ n (endet auf -e)
die Zeitungdie Zeitungen+ en (endet auf -ung)
die Freiheitdie Freiheiten+ en (endet auf -heit)
die Studentindie Studentinnen+ nen (endet auf -in)
der Jungedie Jungen+ n (schwaches Maskulinum)

Kurz gesagt: endet das Wort auf -e, -el oder -er, reicht ein -n. Endet es auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -ion oder -tät, kommt -en. Und -in wird zu -innen, mit verdoppeltem n.

Probieren Sie es: Beide Wörter sind feminin, also kein Umlaut, nur die Endung fehlt.

die Frau → die Fra. die Blume → die Blu.

Muster 3: Endung -er (fast immer mit Umlaut)

Viele einsilbige Neutra bilden den Plural auf -er, und wenn der Stammvokal umlautfähig ist (a, o, u, au), passiert der Umlaut hier fast automatisch. Eine kleine Gruppe Maskulina folgt demselben Muster.

SingularPluralUmlaut?
das Kinddie Kindernein
das Bilddie Bildernein
das Buchdie Bücherja: u → ü
das Hausdie Häuserja: au → äu
der Manndie Männerja: a → ä
der Walddie Wälderja: a → ä

Faustregel: Sehen Sie ein kurzes Neutrum mit a, o, u oder au im Stamm, tippen Sie auf -er mit Umlaut. Ohne umlautfähigen Vokal (wie Kind, Bild) bleibt es einfach bei -er.

Jetzt Sie: erstes Wort Endung, zweites Wort Umlaut.

das Kind → die Kin. das Buch → die Bcher.

Muster 4: Endung -s (Lehnwörter)

Das -s ist das „Ausländer-Muster“: Es steht bei vielen Lehnwörtern (besonders aus dem Englischen und Französischen) und bei Nomen, die auf einen vollen Vokal enden (-a, -i, -o, -u, aber nicht -e). Ein Umlaut kommt hier nie vor.

SingularPluralGrund
das Autodie Autosendet auf -o
das Bürodie Bürosendet auf -o
das Hoteldie HotelsLehnwort
das Babydie BabysLehnwort, endet auf Vokal
der Chefdie ChefsLehnwort (Französisch)
die Omadie Omasendet auf -a

Wenn das Wort „nicht deutsch aussieht“ oder auf -a, -i, -o, -u endet, ist -s fast immer richtig. Beachten Sie: Wörter auf -e gehören nicht hierher, die nehmen -(e)n (Muster 2).

Zwei Lehnwörter zum Üben, beide mit derselben schlichten Endung:

das Auto → die Aut. das Büro → die Bür.

Muster 5: Nullendung (manchmal mit Umlaut)

Maskulina und Neutra, die schon auf -en, -er oder -el enden, bekommen keine neue Endung. Der Plural sieht dann genauso aus wie der Singular, nur der Artikel wird zu die. Einige dieser Wörter setzen zusätzlich einen Umlaut, und der ist dann Ihr einziges Signal. Auch die Verkleinerungsformen auf -chen und -lein bleiben endungslos.

SingularPluralUmlaut?
der Lehrerdie Lehrernein
der Wagendie Wagennein
das Fensterdie Fensternein
der Apfeldie Äpfelja: a → ä
der Vogeldie Vögelja: o → ö
die Mutterdie Mütterja: u → ü (Femininum-Ausnahme)

Merken Sie sich: Endet ein Maskulinum oder Neutrum auf -en, -er, -el, kommt keine Endung dazu. Prüfen Sie nur noch, ob der Stammvokal a, o, u einen Umlaut bekommt. Die Feminina Mutter und Tochter sind die berühmten Ausnahmen, die trotz „die“ mit reinem Umlaut pluralisieren.

Hier ist die Lücke jeweils der Umlaut selbst, denn eine Endung gibt es nicht:

der Apfel → die pfel. der Vogel → die Vgel.

Umlaut im Plural

Der Umlaut ist kein eigenes Pluralmuster, sondern ein Zusatzsignal, das die Muster 1, 3 und 5 begleiten kann. Die Überblickstabelle sagt es schon: -e (oft Umlaut), -er (fast immer Umlaut), Nullendung (evtl. Umlaut). Bei -(e)n und -s kommt dagegen nie ein Umlaut vor. Der Umlaut verrät Ihnen also nicht das Muster, er begleitet es nur.

Ordnen Sie jedes Substantiv seiner Pluralform zu und achten Sie darauf, welches Grundmuster jeweils dahintersteckt:

Schnelle Entscheidungshilfe

Wenn im C-Test eine Pluralendung fehlt, gehen Sie diese kurze Liste durch. Meist haben Sie die Antwort in wenigen Sekunden:

1. Ist das Wort feminin (die im Singular)? → fast immer -(e)n, nie Umlaut. Ausnahmen: die Hand → Hände, die Mutter → Mütter.

2. Ist es ein einsilbiges Maskulinum? → meist -e, oft mit Umlaut (der Stuhl → Stühle).

3. Ist es ein einsilbiges Neutrum mit a, o, u, au? → oft -er mit Umlaut (das Buch → Bücher), sonst -e.

4. Endet ein Maskulinum oder Neutrum auf -en, -er, -el? → Nullendung, prüfen Sie nur den Umlaut.

5. Ist es ein Lehnwort oder endet es auf -a, -i, -o, -u? → -s.

6. Endet das Wort auf -in? → -innen. Auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -ion? → -en.

Diese Liste ersetzt das stumpfe Auswendiglernen jedes einzelnen Plurals. Das Genus und die Wortendung geben Ihnen fast immer das richtige Muster vor.

Zum Abschluss drei gemischte Fälle, die alle Muster wiederholen:

die Katze → die Kat. das Buch → die Büc. der Zug → die Zge.

Endgegner-Lücke

Der letzte Test, bevor das Genus-Signal vollautomatisch sitzt.

der Hund → die Hun. die Zeitung → die Zeitu.

Sobald Sie den Artikel des Singulars sehen, kennen Sie meistens schon das Muster, aus dem vermeintlichen Chaos wird eine kurze Checkliste im Kopf.

0/10