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Verbformen: Tempus & starke Verben

Bei einer Verblücke im C-Test gibt es zwei ganz verschiedene Fragen. Die erste lautet: Welche Endung passt zur Person und zur Zeit? Das ist die Welt der Verbendungen, und wer das Subjekt findet, findet dort meist die Antwort. Die zweite Frage ist heikler: Wie sieht der Stamm dieses Verbs in der Vergangenheit überhaupt aus? Denn viele deutsche Verben ändern in der Vergangenheit nicht nur die Endung, sondern das ganze Innere des Wortes.

gehen wird zu ging und gegangen. nehmen wird zu nahm und genommen. Keine Endungsregel der Welt führt Sie von gehen zu ging, denn hier wechselt der Vokal im Stamm. Genau diese Stammformen behandelt dieser Artikel: das Partizip II, die Präteritum-Stämme und den systematischen Vokalwechsel der starken Verben, den man Ablaut nennt. Wer die Endungen schon beherrscht, schließt hier die zweite, größere Lücke im Verbwissen.

Kurzregel: Erst klären: Endung oder Stamm? Präsens/Präteritum-Endung folgt dem Subjekt; Partizip II braucht ge-…-t oder ge-…-en. Starke Verben: Ablaut auswendig (nehmen–nahm–genommen).

Endung oder Stamm? Zwei Baustellen

Ein deutsches Verb besteht aus einem Stamm und einer Endung. mach-en: der Stamm ist mach-, die Endung -en. Bei den schwachen (regelmäßigen) Verben bleibt der Stamm in allen Zeiten gleich, nur Endung und ein eingeschobenes -te- wechseln: mache, machte, gemacht. Der Stamm mach- steht überall unverändert.

Bei den starken (unregelmäßigen) Verben ist es anders. Der Stamm selbst verändert seinen Vokal, sobald die Zeit wechselt: finde, fand, gefunden. Aus i wird a, dann u. Für den C-Test heißt das: Bei einem schwachen Verb reicht die Endungsregel, bei einem starken Verb müssen Sie die Stammform kennen oder ableiten können. Dieser Artikel liefert Ihnen die Muster dafür.

Partizip II: ge-…-t gegen ge-…-en

Das Partizip II brauchen Sie überall dort, wo im Text ein haben oder sein auftaucht: ich habe … gemacht, sie ist … gekommen. Es ist eine der häufigsten Verbformen in geschriebenen Texten, und der C-Test löscht gern genau ihre zweite Hälfte. Der Bau folgt zwei Grundmustern, und der Unterschied entscheidet über den letzten Buchstaben.

VerbtypMusterBeispiele
schwach (regelmäßig)ge- + Stamm + -tmachen → gemacht, arbeiten → gearbeitet, sagen → gesagt
stark (unregelmäßig)ge- + Stamm + -engehen → gegangen, finden → gefunden, lesen → gelesen

Die schwachen Partizipien enden auf -t und lassen den Stammvokal in Ruhe: gemacht, gefragt, gelernt. Die starken Partizipien enden auf -en und tragen oft einen veränderten Vokal: gefunden (nicht gefinden), genommen (nicht genehmen), gesprochen. Sehen Sie am Wortanfang ein ge- und am Ende die Andeutung eines -en, dann ist das Verb stark und der Vokal im Inneren kann anders sein als im Infinitiv.

Zwei Verbgruppen bekommen dabei überhaupt kein ge-: Verben auf -ieren (studierenstudiert, nicht gestudiert) und Verben mit unbetontem, untrennbarem Präfix (besuchenbesucht, verstehenverstanden). Betont der Wortanfang das Präfix (wie bei einkaufen), steht ge- dazwischen (eingekauft); ist das Präfix unbetont (be-, ver-, ent-, er-, ge-, emp-, zer-), fällt das ge- weg.

Ergänzen Sie die beiden Partizipien. Das erste ist stark, das zweite ebenfalls, und beide wechseln den Vokal.

Sie hat den Artikel schon gele (lesen) und danach eine Antwort geschr (schreiben).

Also gelesen (Stamm les-, starkes -en) und geschrieben (aus ei wird ie). Beide bekommen ge- am Anfang und -en am Ende, aber der Vokal verrät, dass hier keine schlichte -t-Endung reicht.

Spüren Sie es? Sie haben nicht geraten, sondern am ge-…-en-Muster und am Stammvokal erkannt, dass hier zwei starke Verben stecken.

Jetzt der Gegentest mit einem schwachen Verb. arbeiten hat einen Stamm auf -t, deshalb schiebt sich vor das End-t ein -e- ein.

Er hat den ganzen Tag gearb und am Abend alles gesch (schaffen → geschafft).

gearbeitet bekommt das eingeschobene -e- (sonst wäre gearbeitt unaussprechbar), und geschafft folgt dem schwachen Muster ge-…-t. Merken Sie sich die Faustregel: endet das Partizip auf -t, war das Verb schwach; endet es auf -en, war es stark und der Vokal kann gewandert sein.

Welches Partizip II ist korrekt gebildet?

Starke Verben und der Ablaut

Der Vokalwechsel der starken Verben ist kein Chaos, sondern folgt einer überschaubaren Zahl von Mustern. Ein Ablaut ist der geregelte Wechsel des Stammvokals über die drei Stammformen Infinitiv, Präteritum und Partizip II. Wer die häufigsten Muster kennt, kann viele Formen ableiten, statt jede einzeln auswendig zu lernen.

Realistischer Zeitaufwand: etwa 3–4 kurze Lerneinheiten, um die häufigsten Reihen wirklich sitzen zu haben.

Die folgende Tabelle sammelt die produktivsten Ablautreihen. Lesen Sie jede Zeile als Dreiklang von links nach rechts: so klingt derselbe Vokal in Gegenwart, Vergangenheit und Perfekt.

MusterInfinitivPräteritumPartizip II
i – a – ufinden, singen, trinken, bindenfand, sang, trank, bandgefunden, gesungen, getrunken, gebunden
e – a – onehmen, sprechen, helfen, treffennahm, sprach, half, trafgenommen, gesprochen, geholfen, getroffen
ei – ie – iebleiben, schreiben, steigenblieb, schrieb, stieggeblieben, geschrieben, gestiegen
ei – i – igreifen, schneiden, streitengriff, schnitt, strittgegriffen, geschnitten, gestritten
ie – o – ofliegen, ziehen, verlierenflog, zog, verlorgeflogen, gezogen, verloren
a – u – afahren, tragen, ladenfuhr, trug, ludgefahren, getragen, geladen
e – a – egeben, lesen, sehengab, las, sahgegeben, gelesen, gesehen
a – ie – afallen, halten, lassenfiel, hielt, ließgefallen, gehalten, gelassen

Acht Reihen sind viel auf einmal. Konzentrieren Sie sich zuerst auf die zwei häufigsten: lernen Sie i – a – u und e – a – o fest auswendig, die übrigen sechs müssen Sie nur wiedererkennen, nicht aktiv abrufen können.

Üben Sie jetzt die beiden häufigsten Reihen an je einem typischen Verb. Ergänzen Sie die Präteritumform aus dem Gedächtnis.

InfinitivPräteritumPartizip II
i – a – u (finden)findengefunden
e – a – o (nehmen)nehmengenommen

Zwei Muster tragen besonders viele Verben und lohnen das feste Einprägen. Die Reihe i – a – u (finden, fand, gefunden) und die Reihe e – a – o (nehmen, nahm, genommen) decken einen großen Teil der Alltagsverben ab. Wenn Sie an einer Lücke einen dieser Vokale sehen, ist das ein starkes Signal, welche Form gerade gefragt ist.

Ordnen Sie jedem Infinitiv seine Präteritumform zu. Achten Sie auf den Vokal: Er verrät die Ablautreihe.

Probieren Sie den Ablaut an einem Partizip. fliegen gehört zur Reihe ie – o – o, das Partizip trägt also ein o.

Das Flugzeug ist pünktlich nach Wien gefl.

Aus ie (fliegen) wird im Partizip o: geflogen. Hätten Sie mechanisch ein -t angehängt, wäre gefliegt herausgekommen, das es nicht gibt. Der Vokalwechsel ist das Kennzeichen des starken Verbs.

Präteritum-Stämme: die Hochfrequenz-Liste

In geschriebenen Erzähltexten ist das Präteritum die normale Vergangenheitsform. Eine kleine Gruppe unregelmäßiger Verben taucht darin immer wieder auf, und ihre Stämme muss man einfach parat haben. Die gute Nachricht: Es sind nur eine Handvoll, und sie kommen so oft vor, dass sie sich schnell einprägen. In der 3. Person Singular (er/sie/es) und 1. Person Singular (ich) tragen diese Formen keine Endung, der bloße Stamm steht da.

InfinitivPräteritum (ich/er)Partizip II
seinwargewesen
habenhattegehabt
werdenwurdegeworden
gehenginggegangen
kommenkamgekommen
gebengabgegeben
findenfandgefunden
nehmennahmgenommen
sehensahgesehen
stehenstandgestanden

Diese zehn Verben decken einen erstaunlich großen Anteil aller Präteritumformen in echten Texten ab. Prägen Sie sich vor allem die Dreiergruppe war, hatte, wurde ein: sein, haben und werden sind die Hilfsverben, an denen fast jeder Vergangenheitssatz hängt.

Füllen Sie die fehlenden Präteritum-Stämme aus dem Gedächtnis. Die Endung ist hier nicht das Problem, der Stamm ist es.

PräteritumPartizip II
seingewesen
habengehabt
werdengeworden
gehengegangen
kommengekommen
nehmengenommen

Jetzt in einem Satz. Drei starke Verben stehen hier im Präteritum, jedes mit seinem eigenen Stamm.

Er na (nehmen) den letzten Bus, fa (finden) aber keinen Sitzplatz und sta (stehen) die ganze Fahrt.

Also nahm (Reihe e – a), fand (Reihe i – a) und stand (Sonderstamm von stehen). Keiner dieser Stämme lässt sich mit einer Endungsregel herstellen, sie sind reine Stammkenntnis.

Und wenn das Subjekt nicht ich oder er/sie/es ist? Dann hängen Sie an den Präteritum-Stamm dieselben Personalendungen wie im Präsens: du bekommt -st (du gingst), wir und sie bekommen -en (sie gingen, die Forscher untersuchten), ihr bekommt -t (ihr gingt). Endet ein schwacher Stamm auf -t oder -d, bleibt das Binde-e erhalten: arbeitete, arbeitetest, arbeiteten.

Die Schnellentscheidung an der Lücke

Sitzt eine Lücke auf einem Verb, dessen Stamm sich verändern könnte, arbeiten Sie diese drei Schritte ab. Sie kosten Sekunden und verwandeln viele scheinbar unlösbare Lücken in sichere Treffer.

  1. Zeit und Signal erkennen. Ein haben oder sein in der Nähe kündigt ein Partizip II an. Erzählende Vergangenheit ohne Hilfsverb ist Präteritum. Wörter wie gestern oder damals bestätigen die Vergangenheit.
  2. Stamm abrufen. Fragen Sie: Ist das Verb schwach (dann bleibt der Stamm, es kommt -t oder -te-) oder stark (dann wechselt der Vokal nach dem Ablautmuster)? Rufen Sie die passende Stammform ab.
  3. An den sichtbaren Stummel anpassen. Die gemerkte Form muss zu den Buchstaben auf dem Blatt passen. Der Stummel hat immer das letzte Wort. Passt er nicht, haben Sie die falsche Form abgerufen.

Führen Sie die Routine an diesem Beispiel durch. Das ist signalisiert ein Partizip II, gestern bestätigt die Vergangenheit, und der Stummel gega zeigt auf ein starkes Verb.

Sie ist gestern früh nach Hause gega.

Schritt 1: ist … gega ist ein Partizip II. Schritt 2: gehen ist stark, sein Partizip lautet gegangen. Schritt 3: der Stummel gega passt zu gegangen, also ergänzen Sie ngen. Nicht gegeht, nicht gegehen, sondern die gemerkte starke Form.

Fallen, auf die Sie achten sollten

Starke Verben regelmäßig machen. Die größte Falle ist, ein starkes Verb wie ein schwaches zu behandeln. gehen wird nicht zu gegeht, sondern zu gegangen. nehmen wird im Präteritum nicht zu nehmte, sondern zu nahm. Wenn ein Stummel auf ge- beginnt und auf -en zusteuert, denken Sie an den Vokalwechsel, nicht an ein angehängtes -t.

Mischverben verwechseln. Eine kleine Gruppe verhält sich gemischt: Sie wechseln den Vokal wie starke Verben, hängen aber das schwache -te- und -t an. Diese muss man einzeln kennen.

InfinitivPräteritumPartizip II
denkendachtegedacht
bringenbrachtegebracht
kennenkanntegekannt
nennennanntegenannt
wissenwusstegewusst

denken wird zu dachte, nicht zu denkte; bringen wird zu brachte, nicht zu bringte. Der Vokal springt (e zu a), und trotzdem steht am Ende das schwache -te. Das ist die Mischung, die diese Verben so verwechslungsanfällig macht.

Den guten Stummel überschreiben. Ihre Erinnerung liefert einen Kandidaten, aber die sichtbaren Buchstaben entscheiden. Passt Ihre Form nicht zum Stummel, ist es die falsche Form für diese Lücke. Prüfen Sie, ob Sie Zeit oder Person verwechselt haben, statt den Stummel zu ignorieren.

Die Lücke lautet: 'Als Kind brac___ ich meiner Oma jeden Tag die Zeitung.' Welche Form ist richtig?

werdens drei Funktionen: Futur, Passiv und Konjunktiv II

Der Futur-Teil gehört zum B1/B2-Kern. Passiv und Konjunktiv II sind C1-Erweiterung: Wer B2 anpeilt, darf sie überfliegen.

Bisher ging es in diesem Artikel nur um das aktive Geschehen: Wer tut was, und wann? werden selbst trägt außerdem drei ganz verschiedene Funktionen, und alle drei tauchen in B2/C1-Texten ständig auf. Als Futur kündigt es eine zukünftige Handlung an: Wir werden morgen abreisen. Als Passiv dreht es die Perspektive um: Nicht das Subjekt handelt, es wird behandelt. Als würde-Form leitet es schließlich den periphrastischen Konjunktiv II fast jedes anderen Verbs ein: Etwas ist nur gedacht, gewünscht oder unwirklich.

Der Satzrest verrät, welche der drei Funktionen an einer Lücke gemeint ist: Steht ein Infinitiv am Ende, ist es Futur (wird abreisen). Steht ein Partizip II am Ende, ist es Passiv (wird geschrieben). Steht würde selbst in der Lücke, folgt meist ein weiterer Infinitiv mit gern oder ein Bedingungssatz.

Passiv: werden + Partizip II am Satzende. Das Passiv baut sich aus einer konjugierten Form von werden und dem Partizip II auf, das ans Satzende wandert, genau das Partizip, dessen Bildung dieser Artikel bereits behandelt hat. Die Lücke trifft dabei fast immer die werden-Form selbst, seltener das ge- des Partizips. Die Brücke wird gerade saniert ist Präsens Passiv, die Brücke wurde letztes Jahr geplant ist Präteritum Passiv. Sehen Sie am Satzende ein nacktes Partizip II ohne sichtbares haben/sein davor, prüfen Sie, ob nicht ein werden die Lücke füllt.

Testen wir das an einem B2-typischen Satz über ein Bauprojekt. Zwei Lücken, zwei Zeiten desselben Passivs.

Die neue Bibliothek wi zurzeit gebaut. Sie wur schon 2024 geplant.

Konjunktiv II: die unwirkliche Welt. Der Alltags-Konjunktiv II ist einfach gebaut: würde + Infinitiv, für praktisch jedes Verb. Ich würde gern mehr reisen. Drei Verben sind so häufig, dass sie eine eigene, synthetische Form behalten und nie über würde laufen: wäre (sein), hätte (haben), könnte (können). Ein wenn-Satz oder eine höfliche Bitte signalisiert Irrealis, und genau an dieser Signalstelle will die Lücke die umgelautete Form, nicht den Indikativ.

FormVerwendung
wird abreisenFutur
wird gebautPassiv Präsens
wurde gebautPassiv Präteritum
würde bauenKonjunktiv II mit würde + Infinitiv
wäre, hätte, könntesynthetische Konjunktiv-II-Formen

Endgegner-Lücke

Diese letzte Lücke bündelt alles, was der Artikel bisher verlangt hat: Irrealis am Hauptsatz erkennen, die umgelautete Konjunktiv-II-Form abrufen und sie gegen den Stummel prüfen. Wer sie löst, beherrscht auch die einfacheren Fälle davor.

Prüfen Sie die Signalstelle an diesem wenn-Satz.

„Wenn ich mehr Zeit hät___, würde ich einen Sprachkurs besuchen.“ — Welche Vervollständigung passt?

Der Hauptsatz mit würde verrät den Irrealis schon, bevor Sie den Nebensatz überhaupt lesen: Der wenn-Satz muss mitziehen und ebenfalls Konjunktiv II liefern, hätte statt des Indikativs habe oder hatte.

Zum Merken

Bei einer Verblücke geht es um zwei Dinge: die Endung (aus der Person) und den Stamm (aus der Zeit). Dieser Artikel dreht sich um den Stamm, also um die Formen, die keine Endungsregel liefert.

Prägen Sie sich diese Anker ein: Partizipien auf -t waren schwache Verben, Partizipien auf -en waren starke Verben mit möglichem Vokalwechsel. Die starken Verben folgen wenigen Ablautreihen, allen voran i – a – u (finden, fand, gefunden) und e – a – o (nehmen, nahm, genommen). Die Präteritum-Stämme war, hatte, wurde, ging, kam, gab, fand, nahm, sah, stand kommen so oft vor, dass sie sitzen müssen. Und hüten Sie sich vor den Regularisierungen (gegeht, nehmte) und den Mischverben (denken → dachte, bringen → brachte). Erkennen Sie die Zeit, rufen Sie den Stamm ab, passen Sie ihn an den Stummel an, und die zweite große Verblücke des C-Tests wird berechenbar.

Solche Stammformen gehören zur Gruppe der Flexionsendungen, die insgesamt etwa ein Fünftel aller C-Test-Lücken ausmacht; Partizip- und Präteritumformen mit Ablaut bilden darin aber nur einen kleineren, fortgeschrittenen Ausschnitt: nützlich zu wissen, aber nicht die schnellsten Punkte.

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