In Österreich sind bereits mehr Menschen nach dem Internet süchtig als nach Heroin oder anderen Opiaten. Mindestens 30.000 Menschen gelten als abhängig. Vor allem exzessives Chatten und Spielen führen zu einem zunehmenden Realitätsverlust vor den Bildschirmen.
Wien – Hannelore K. ist jetzt clean. Dass sie jemals Suchtprobleme hätte, hatte die 52-jährige Mutter von zwei Kindern nie für möglich gehalten. Bis sie das Plaudern in Chatrooms im Internet entdeckte. Der Spaß am Chatten wurde immer aufwendiger, bis zu 40 Stunden ohne Pause waren keine Seltenheit. Dabei entwickelte sie mehrere Identitäten und verfiel schließlich sogar in Eifersucht auf ihr Alter Ego. Als der Jobverlust drohte, suchte K. professionelle Hilfe. Diagnose: Pathologischer Internetgebrauch (PIG).
Behandlung: Antidepressiva und Psychotherapie.
Hannelore K. ist kein Einzelfall. In Österreich sind bereits mehr Menschen vom Internet abhängig als von Opiaten. 30.000 Personen kommen von der virtuellen Realität nicht mehr los, das sind drei Prozent aller täglichen User. Diese alarmierende Zahl gab am Wochenende Oberarzt Hubert Poppe vom Genesungsheim Kalksburg bei einem Symposium in Wien bekannt. Zum Vergleich: Zwischen 15.000 und 20.000 Männer und Frauen sind laut österreichischem Drogenbericht süchtig nach Opiaten.
Rund drei Millionen Menschen haben in Österreich – beruflich oder privat – Zugang zum World Wide Web, rund eine Million loggen sich pro Tag ein. Internetsucht betrifft vor allem Alleinstehende, Arbeitslose und Menschen, die allgemein zu süchtigem Verhalten neigen. Die Zahl von 30.000 suchtkranken Usern sei die unterste Marke in der Bandbreite von mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen, sagte Poppe.
Eine Studie vom Institut für Biostatistik der medizinischen Fakultät an der Uni Innsbruck beispielsweise ergab, dass 12,7 Prozent aller Teilnehmer des deutschsprachigen Chatsystems „Metropolis" suchtartiges Verhalten aufweisen. Fast ein Drittel davon gab in einer Onlineumfrage an, beim Chatten rauschähnliche Zustände zu erleben. Und 40 Prozent stuften sich selbst als süchtig ein. Das spräche für die Bereitschaft zur Selbstreflexion und könne die Diagnostik erleichtern, so die Studienautoren.
Das Problem sei, so Poppe, dass das Abgleiten in eine virtuelle Realität mit zunehmender Vereinsamung vor dem Bildschirm oft erst erkannt werde, wenn die Betroffenen schon schwere Probleme hätten: „Sie fallen immer mehr am Arbeitsplatz aus, weil sie nächtelang nicht mehr zum Schlafen kommen. Beziehungen gehen zu Bruch, weil nur noch der Chatroom zählt."
Oder das Spiel – wie im dokumentierten Fall eine 38-jährigen Akademikers, der dem „Moorhuhnjagd"-Fieber erlag. Das gleichermaßen beliebte wie simple Computergame beherrschte bald den Büroalltag des Mannes. Auch hier half schließlich eine Psychotherapie.
Gleichzeitig wurde am Arbeitsplatz geregelt, dass der Süchtige nur noch beschränkten Internetzugang bekam.
Mediziner betonen, dass es kein spezielles Charakterbild gäbe, das für eine solche Sucht prädestiniere. Poppe: „Das kann jedem passieren." Wie bei jeder anderen Sucht spiele mangelndes Selbstwertgefühl eine Rolle. Zusätzlich werde natürlich auch noch der Spieltrieb des Menschen durch die millionenfachen Angebote des Internets angesprochen.
Spezialisten haben einen Fragenkatalog erstellt, mit dem sich eine mögliche Abhängigkeit feststellen lässt:
Der Standard
Lesen Sie die folgende Zusammenfassung zum Text „Internetsucht" und ergänzen Sie die Lücken jeweils mit einem passenden Wort aus dem Originaltext. Ein Beispiel (0) ist vorgegeben.
Hannelore K., eine 52-jährige Mutter von zwei Kindern, (1) im Internet das Plaudern in Chatrooms. Das machte ihr bald so viel Spaß (0), dass sie oft 40 Stunden ohne Pause chattete. Als sie beinahe ihren Job verloren hätte, ging sie zum Arzt. Ihre Krankheit wird als krankhafter (2) bezeichnet. Derzeit sind weniger Österreicher von Opiaten (3) als vom Internet. Vor (4) Menschen, die alleine leben, arbeitslos sind und allgemein zu Suchtverhalten tendieren, sind davon betroffen. Bei einer Befragung von Chatroom-Benutzer gab ein Drittel an, bei der virtuellen Kommunikation in (5) Zustände zu verfallen. Oft wird die Sucht erst (6), wenn der Abhängige vom Arbeitsplatz fernbleibt, weil er (7) nicht schläft, oder wenn Beziehungen kaputt gehen, weil man sich keine Zeit mehr dafür nimmt. Nicht nur Chatten, sondern auch ein (8) kann bei manchen Menschen zur Sucht werden. Dann hilft nur mehr eine (9). Laut Poppe können jeder süchtig werden. Wer aber zu wenig (10) hat, ist eher dafür anfällig – wie bei jeder anderen Sucht auch.
10 Punkte
Интерактивная практика с ИИ
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