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Textproduktion: Aufbau und Redemittel

Im Textproduktions-Teil der EPD ist die Struktur buchstäblich ein Bewertungskriterium. Prüfende lesen Hunderte von Texten; ob ein Aufsatz eine klare Gliederung hat, erkennen sie auf den ersten Blick. Ein durchdacht aufgebauter Text mit begrenztem Wortschatz schneidet regelmäßig besser ab als ein sprachlich vielfältiger Text ohne erkennbaren Plan. Die Schlussfolgerung: Bevor Sie den ersten Satz schreiben, sollte der Aufbau feststehen.

Aufbau des Textes

1. Einleitung (2–3 Sätze)

Die Einleitung führt ins Thema ein (nicht mehr und nicht weniger). Zwei bis drei Sätze genügen völlig. Geben Sie den Impulstext nicht Wort für Wort wieder, sondern fassen Sie zusammen und deuten Sie Ihre Position an. Eine überlange Einleitung verbraucht Wörter, die Sie im Hauptteil dringend brauchen.

  • Thema vorstellen
  • Relevanz oder Kontext skizzieren
  • Eigene Position andeuten

2. Hauptteil (3–4 Absätze)

Hier fällt die Entscheidung über die Note. Jeder Absatz erfüllt genau eine Aufgabe: ein Argument mit Begründung und Beispiel. Orientieren Sie sich an der 3B-Regel: Behauptung → Begründung → Beispiel. Zwischen den Absätzen sorgen logische Übergänge für den roten Faden: Darüber hinaus, Im Gegensatz dazu, Außerdem.

  • Pro- und Contra-Argumente anführen
  • Bei einem Grafikimpuls: Daten beschreiben und interpretieren
  • Jedes Argument mit Begründung und Beispiel stützen

3. Schluss (2–3 Sätze)

Der Schluss fasst zusammen und bringt Ihre endgültige Position auf den Punkt. Kein neues Argument, kein neues Beispiel. Das signalisiert einen unfertigen Text. Kurz und prägnant.

  • Die wichtigsten Punkte zusammenfassen
  • Eigene Meinung oder Ausblick formulieren
  • Abschlusssatz (Zusammenfassend lässt sich sagen …)

In welcher Reihenfolge sollte ein argumentativer Text aufgebaut sein?

Wortanzahl

Angestrebt werden in der Regel 230–250 Wörter. Ein leichtes Unterschreiten (220) ist weniger riskant als ein deutliches Überschreiten (300+), das auf mangelnde Planung und fehlende Fähigkeit zur knappen Formulierung hindeutet. Die Prüfer bemerken beide Extreme: Ein Text unter 200 Wörtern hat wahrscheinlich zu wenig Argumentation, während ein Text über 280 Wörtern darauf hindeutet, dass der Verfasser nicht priorisieren konnte. Zählen Sie Ihre Wörter nach dem Schreiben und kürzen oder erweitern Sie während der Endkontrolle entsprechend.


Umgang mit Gegenargumenten

Starke argumentative Texte ignorieren die andere Seite nicht, sondern gehen darauf ein. Räumen Sie das Gegenargument kurz ein und entkräften Sie es dann. Das zeigt argumentative Tiefe und wird von den Prüfern geschätzt, weil es beweist, dass Sie sich kritisch mit einer Position auseinandersetzen können, statt nur die eigene zu behaupten.

Ein bewährtes Muster: Gestehen Sie einen Punkt zu mit Zwar ... aber ... oder Natürlich muss man einräumen, dass ..., und kontern Sie dann sofort mit Ihrer Begründung. Zum Beispiel: „Natürlich muss man einräumen, dass Flugreisen schnell und bequem sind. Dennoch überwiegen die ökologischen Nachteile, da ein einziger Langstreckenflug mehr CO₂ verursacht als ein Jahr Autofahren." Ein gut behandeltes Gegenargument pro Aufsatz genügt. Sie müssen nicht jeden möglichen Einwand widerlegen.


Redemittel: Einleitung

  • Das Thema ... ist heutzutage von großer Bedeutung.
  • In den letzten Jahren wird immer häufiger über ... diskutiert.
  • Die Frage, ob ..., wird kontrovers diskutiert.
  • Im Folgenden möchte ich mich mit dem Thema ... auseinandersetzen.

Redemittel: Argumente

Eigene Meinung (variieren Sie den Einstieg):

  • Meiner Meinung nach ...
  • Ich bin der Ansicht, dass ...
  • Aus meiner Sicht ...
  • Meines Erachtens ...

Pro-Argumente:

  • Ein wichtiges Argument dafür ist, dass ...
  • Dafür spricht, dass ...
  • Ein Vorteil ist ...
  • Hinzu kommt, dass ...

Contra-Argumente:

  • Dagegen spricht jedoch, dass ...
  • Ein Nachteil ist ...
  • Kritiker argumentieren, dass ...
  • Allerdings muss man bedenken, dass ...

Beispiele:

  • Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass ...
  • Ein konkretes Beispiel dafür ist ...
  • In meinem Heimatland beispielsweise ...

Redemittel: Übergänge

Übergänge verknüpfen Absätze und machen die Gedankenführung sichtbar. Wählen Sie den passenden Typ je nach inhaltlichem Zusammenhang:

  • Darüber hinaus ... (Ergänzung)
  • Außerdem ist zu beachten, dass ... (Ergänzung)
  • Im Gegensatz dazu ... (Kontrast)
  • Einerseits ... andererseits ... (Abwägung)
  • Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ... (Schlussfolgerung)

Redemittel: Grafikbeschreibung

  • Die Grafik zeigt ...
  • Aus der Grafik geht hervor, dass ...
  • Laut der Statistik ...
  • Der Anteil von ... liegt bei ... Prozent.
  • Im Vergleich zu ... ist ... gestiegen / gesunken.
  • Auffällig ist, dass ...

Redemittel: Schluss

  • Zusammenfassend kann man sagen, dass ...
  • Abschließend möchte ich betonen, dass ...
  • Alles in allem ...
  • Es bleibt abzuwarten, wie sich ... entwickeln wird.

Mustertext: So sieht ein gelungener Text aus

Ein vollständiges Beispiel mit Anmerkungen. Das Thema stammt aus einer echten EPD-Aufgabe.

Aufgabe: Ein Experte schlägt vor, eine Quote von vier Flügen pro Person und Leben einzuführen, um den CO₂-Ausstoß zu senken. Geben Sie den Inhalt wieder, nehmen Sie Stellung und schlagen Sie weitere Maßnahmen vor.


In den letzten Jahren ist der Klimawandel zu einem der drängendsten globalen Probleme geworden. Besonders der Verkehrssektor trägt stark zur Erderwärmung bei – vor allem durch den internationalen Flugverkehr. ← Einleitung: ins Thema einführen

Ein französischer Experte fordert schnelles Handeln, um die Erderwärmung aufzuhalten und schlägt vor, Flugreisen stark zu begrenzen – auf nur vier Flüge pro Person im gesamten Leben. ← Inhalt des Textausschnitts zusammenfassen

Meines Erachtens handelt es sich hierbei um einen übertriebenen und in der Praxis kaum realisierbaren Vorschlag. Viele Menschen sind auf das Flugzeug angewiesen – sei es, um im Ausland lebende Verwandte zu besuchen, aus beruflichen Gründen zu reisen oder internationale Studienmöglichkeiten zu nutzen. Eine so strikte Begrenzung würde die persönliche Freiheit stark einschränken. Außerdem könnte sie soziale Ungleichheiten verstärken, denn wohlhabendere Menschen würden Wege finden, die Regelung zu umgehen, z. B. durch den Kauf von Flugrechten. Zudem sind viele entlegene Länder und Regionen der Welt kaum mit klimafreundlicheren Verkehrsmitteln erreichbar. ← Eigene Meinung mit Begründung und Beispielen (3B-Regel)

Statt eines festen Fluglimits sollte man Anreize für nachhaltigeres Reisen schaffen, etwa durch den Ausbau und die Subvention des internationalen Bahnverkehrs, schnellere Zugverbindungen und bessere Nachtzugangebote. Auch Informationskampagnen über die Folgen des Fliegens für das Klima könnten das Bewusstsein schärfen. Weitere sinnvolle Maßnahmen wären eine Flugsteuer, bei der Vielflieger deutlich mehr zahlen, sowie eine europaweite CO₂-Abgabe. ← Maßnahmen und Vorschläge

Klimaschutz ist zweifellos notwendig – aber die Maßnahmen sollten gerecht, umsetzbar und gut durchdacht sein. Nur so lässt sich die Gesellschaft langfristig dafür gewinnen. ← Schluss: Fazit formulieren

Was macht diesen Text gelungen?

  • Klare Dreiteilung: Einleitung → Hauptteil → Schluss
  • Abwechslungsreiche Satzstrukturen (Nebensätze, Infinitivkonstruktionen, Passiv)
  • Gezielt eingesetzte Redemittel: Meines Erachtens, Zudem, Statt ... sollte man
  • 3B-Regel konsequent angewandt: Jedes Argument hat Behauptung, Begründung und Beispiel
  • Ca. 240 Wörter (im Zielbereich 230–250)

Bewertungskriterien

Die folgende Tabelle zeigt, nach welchen Kriterien Ihr Text bewertet wird. Das größte Gewicht hat die sprachliche Richtigkeit mit 8 Punkten: Grammatikfehler kosten am meisten.

KriteriumBeschreibungPunkte
Inhalt / ArgumenteAufgabe erfüllt, Argumente, Beispiele0–5
Textaufbau / TextkohärenzStruktur, Einleitung-Hauptteil-Schluss, Übergänge0–6
Lexik / Idiomatik / TextadäquatheitVielfalt, Angemessenheit, Redemittel0–6
Sprachliche Richtigkeit / Morphologie / Syntax / OrthographieGrammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung0–8

Häufige Fehler

Texttypen vermischen: Als Erörterung starten und dann mitten im Text in einen Kommentar-Stil kippen. Die Prüfenden verlieren den Faden und Sie verlieren Punkte bei der Struktur. Legen Sie sich vor dem Schreiben auf einen Texttyp fest und ziehen Sie ihn durch.

These zu spät einführen: Wenn Ihre Position erst im dritten Absatz sichtbar wird, fehlt der Argumentation die Richtung. Bringen Sie Ihre Meinung bereits im ersten oder zweiten Absatz.

Kein Schluss: Nach dem letzten Argument einfach aufhören: Das wirkt, als wäre der Text abgebrochen. Zwei Sätze Fazit sind Pflicht.

Einleitung zu lang: Drei Absätze Einleitung lassen kaum Raum für die Argumente. Zwei bis drei Sätze reichen. Kommen Sie zügig zur Sache.

Argument ohne Begründung: „Soziale Medien sind schädlich." Das ist eine Behauptung, kein Argument. Ergänzen Sie immer: weil, denn, da oder ein konkretes Beispiel.

Checkliste für die Endkontrolle

Bevor Sie Ihren Text abgeben, gehen Sie diese Checkliste durch. Reservieren Sie die letzten 5 Minuten der Prüfung für diesen Schritt, denn er fängt die Fehler ab, die in der Kategorie sprachliche Richtigkeit (8 Punkte) am meisten kosten.

  • Grammatik: Prüfen Sie Kasus (besonders nach Präpositionen), Verbendungen (Subjekt-Verb-Kongruenz) und Adjektivdeklination
  • Rechtschreibung: Achten Sie auf typische Fehler (Doppelkonsonanten, Großschreibung von Nomen, ss vs. ß)
  • Struktur: Vergewissern Sie sich, dass Ihr Text alle drei Teile hat: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Fehlt ein Teil, ergänzen Sie ihn
  • Wortschatz: Überprüfen Sie, ob Sie mindestens einige B2/C1-Redemittel verwendet haben und nicht nur einfache Konstruktionen. Ein bis zwei gehobene Wendungen pro Absatz reichen aus
  • Wortanzahl: Zählen Sie Ihre Wörter. Zielen Sie auf 230–250. Kürzen Sie Füllmaterial, wenn Sie darüber liegen; erweitern Sie ein dünnes Argument, wenn Sie darunter liegen

Tipps für die EPD

  1. Schreiben Sie ca. 230–250 Wörter: nicht zu kurz, nicht zu lang.
  2. Planen Sie Ihren Text: Skizzieren Sie den Aufbau, bevor Sie losschreiben.
  3. Variieren Sie die Satzstrukturen: Nebensätze, Passiv, Infinitivkonstruktionen.
  4. Setzen Sie Redemittel gezielt ein: Sie zeigen, dass Sie die Sprache auf gehobenem Niveau beherrschen.
  5. Lesen Sie Ihren Text zum Schluss noch einmal durch: Korrigieren Sie Grammatik- und Rechtschreibfehler.

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