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Richtig / Falsch / Nicht im Text: Strategie

Richtig/Falsch-Aufgaben in der EPD wirken harmlos, und genau das macht sie gefährlich. Im Text steht eine Aussage, das Statement greift sie auf, formuliert aber ein klein wenig anders. Man liest flüchtig, denkt „passt schon", kreuzt richtig an, und der Punkt ist weg. Ein einziges Wort kann den Unterschied machen: die meisten ist nicht alle, kann ist nicht muss, seit 2010 ist nicht seit 2020. Wer aus dem Bauch heraus antwortet statt die Textstelle genau zu prüfen, wird in diesen Aufgaben regelmäßig Punkte verlieren.

Die drei Kategorien verstehen

Die Unterscheidung zwischen falsch und nicht im Text sorgt für die meisten Fehler. Die Tabelle bringt es auf den Punkt:

KategorieBedeutung
RichtigDie Aussage stimmt genau mit dem überein, was im Text steht.
FalschDie Aussage widerspricht dem, was im Text steht.
Nicht im TextZum Thema der Aussage gibt der Text keinerlei Auskunft.

„Nicht im Text" bedeutet nicht, dass die Aussage falsch ist. Sie kann in der Realität durchaus stimmen; der Text schweigt dazu. Und „teilweise richtig" gibt es nicht: Weicht auch nur ein Detail ab, ist die gesamte Aussage falsch.

Schritt 1: Erst den Text lesen, dann die Aussagen

Lesen Sie den Text einmal komplett durch, bevor Sie sich den Aussagen widmen. So gewinnen Sie einen Überblick und bekommen ein Gefühl dafür, wo welche Information steht. Beim späteren Suchen spart das erheblich Zeit.

Schritt 2: Die passende Textstelle finden

Jede Aussage braucht eine konkrete Textstelle als Grundlage. Beantworten Sie niemals eine Frage aus dem Gedächtnis.

  • Markieren Sie die Schlüsselwörter in der Aussage
  • Suchen Sie diese Wörter (oder Synonyme davon) im Text
  • Kennzeichnen Sie die zugehörige Passage

Wichtig: EPD-Texte setzen gerne Paraphrasen ein: der gleiche Sachverhalt, nur anders formuliert. Suchen Sie nach dem Sinn, nicht nach dem Wortlaut.

Text: 'Die Veranstaltung wurde aufgrund schlechten Wetters abgesagt.' Aussage: 'Das Konzert fand wegen eines Sturms nicht statt.' Was ist richtig?

Schritt 3: Wort für Wort abgleichen

Legen Sie die Aussage neben die gefundene Textstelle und vergleichen Sie Punkt für Punkt. Besonders aufmerksam sollten Sie bei diesen vier Kategorien sein, denn hier stecken die meisten Fallen:

  • Zahlen und Prozentangaben: 42 % und Mehrheit sind nicht dasselbe
  • Zeitangaben: seit 2010 und seit 2020 widersprechen sich
  • Modalverben: muss (Pflicht) und kann (Möglichkeit) sind grundverschieden
  • Verneinungen: kein, nicht, selten, kaum kehren den Sinn um

Typische Fallen in der EPD

FalleBeispiel
Umgekehrte RichtungText: „Die Kosten stiegen." Aussage: „Die Kosten sanken."
Falsche ZahlenText: „30 %" Aussage: „13 %"
Plausibler IrrtumAussage klingt logisch, steht aber nicht im Text
Falsches SubjektText: „Schüler ..." Aussage: „Lehrer ..."
Falsche ZeitangabeText: „seit 2010" Aussage: „seit 2020"

Text: 'Laut Studie arbeiten 42% der Deutschen im Homeoffice.' Aussage: 'Die Mehrheit der Deutschen arbeitet von zu Hause.' Wie bewerten Sie die Aussage?

Wann lautet die Antwort „Nicht im Text"?

  • Die Aussage greift ein Thema auf, das im Text gar nicht vorkommt
  • Der Text beschreibt Ursachen, die Aussage behauptet eine Wirkung, die nirgends steht
  • Die Aussage zieht einen Schluss, den der Text selbst nicht zieht

Wenn Sie beim besten Willen keine Textstelle finden, die die Aussage bestätigt oder ihr widerspricht, ist die Antwort „nicht im Text".

Zur Klarstellung: „Nicht im Text" bedeutet, dass das Thema überhaupt nicht erwähnt wird (nicht, dass Sie persönlich die Stelle nicht finden konnten). Wenn der Text über Bildung handelt, aber kein einziges Wort zum Gesundheitswesen sagt, ist eine Aussage über das Gesundheitswesen „nicht im Text". Erwähnt der Text aber das Gesundheitswesen und sagt etwas anderes als die Aussage, dann ist das „falsch", nicht „nicht im Text".

Die „Fast richtig"-Falle

Eine Aussage, die auf manche Fälle zutrifft, aber nicht auf alle, ist falsch. Das gehört zu den häufigsten Prüfungsfallen.

Text: „Die meisten Studierenden arbeiten neben dem Studium."

Aussage: „Alle Studierenden arbeiten neben dem Studium."

Antwort: FALSCH. Der Text sagt die meisten, nicht alle. Die Aussage verallgemeinert unzulässig. Auch wenn sie „fast" richtig ist, widerspricht die absolute Behauptung dem einschränkenden Ausdruck im Text. Jede Übertreibung oder Verabsolutierung dessen, was der Text sagt (oft durch immer ersetzen, einige durch alle, kann durch muss), macht die Aussage falsch.

Welche Strategie ist bei Richtig/Falsch/Nicht im Text am gefährlichsten?

Der Belegsatz: Pflicht bei jeder Antwort

In der EPD reicht es nicht, einfach „richtig" oder „falsch" anzukreuzen. Zu jeder Antwort gehört ein Belegsatz: die ersten ca. 4 Wörter des Satzes im Text, der Ihre Einordnung belegt.

Was ist ein Belegsatz genau?

Der Belegsatz ist der wörtliche Anfang des Satzes (oder Teilsatzes) im Text, der die Aussage bestätigt oder widerlegt. Die Wörter werden exakt abgeschrieben: kein Umformulieren, keine eigenen Worte.

Warum ist er so wichtig?

Ohne einen gültigen Belegsatz gibt es keine volle Punktzahl, selbst wenn Ihre Einordnung stimmt. Der Belegsatz ist der Nachweis, dass Sie die Textstelle tatsächlich gefunden haben und nicht einfach geraten haben.

So finden Sie ihn:

  1. Suchen Sie den Satz im Text, der die Aussage bestätigt oder widerlegt
  2. Schreiben Sie die ersten ca. 4 Wörter dieses Satzes wörtlich ab
  3. Übernehmen Sie Groß- und Kleinschreibung sowie Satzzeichen genau so, wie sie im Text stehen

Beispiel:

Aussage: Die Veranstaltung wurde wegen des Regens abgesagt.

Textstelle: „Die Veranstaltung wurde aufgrund schlechten Wetters abgesagt."

Antwort: falsch

Belegsatz: „Die Veranstaltung wurde aufgrund …"

Vier Wörter genügen; Sie müssen nicht den ganzen Satz abschreiben. Entscheidend ist, dass die richtige Textstelle eindeutig erkennbar ist.

Häufige Fehler

Aus dem Gesamteindruck antworten statt aus der konkreten Stelle. Das Gedächtnis vereinfacht und glättet. Wer pauschal antwortet, übersieht ein vertauschtes Subjekt, eine falsche Jahreszahl oder eine versteckte Verneinung und verliert den Punkt.

Paraphrasen-Fallen nicht durchschauen. Andere Wörter allein machen eine Aussage nicht falsch. Aber „alle" statt „die meisten" ist kein Stilunterschied, sondern eine inhaltliche Verschiebung. Prüfen Sie immer, ob die Bedeutung wirklich dieselbe ist.

Verneinungen überlesen. Ein einzelnes „kein", „nicht" oder „kaum" im Text oder in der Aussage kann den gesamten Sinn umdrehen. Unter Zeitdruck werden genau diese kleinen Wörter gerne übersehen.

Den Belegsatz vergessen. Ohne Belegsatz gibt es keine volle Punktzahl, auch bei richtiger Einordnung. Der Belegsatz ist kein optionaler Zusatz, sondern fester Bestandteil der Antwort.

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