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Relativsätze

Mit Relativsätzen lassen sich einem Nomen zusätzliche Informationen anfügen, ohne einen neuen Satz zu beginnen. Der Student, der gestern gefehlt hat, hat die Prüfung nicht bestanden. Ohne Relativsätze zerfallen komplexe Gedanken in abgehackte Einzelsätze. Mit ihnen gewinnt ein Text die Dichte, die für akademisches Schreiben typisch ist — deshalb spielen Relativsätze in der EPD sowohl bei der Satzergänzung als auch in der Textproduktion eine wichtige Rolle.

Die Mechanik beruht auf zwei Ebenen. Genus und Numerus des Relativpronomens richten sich nach dem Bezugswort im Hauptsatz. Der Kasus hingegen wird durch die Funktion des Relativpronomens innerhalb des Relativsatzes bestimmt, also ob es Subjekt, Objekt oder Teil einer Präpositionalphrase ist. Diese Zweiteilung ist die häufigste Fehlerquelle.

Relativpronomen

Die Formen ähneln dem bestimmten Artikel. Abweichungen gibt es nur im Dativ Plural denen (statt den beim Artikel) und im Genitiv dessen/deren (statt des/der beim Artikel). Merken Sie sich die Abweichungen: alles andere ergibt sich aus dem Artikel:

KasusMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativderdiedasdie
Akkusativdendiedasdie
Dativdemderdemdenen
Genitivdessenderendessenderen

Beispiele nach Kasus

Nominativ (Wer/Was ist Subjekt im Relativsatz?): Der Mann, der dort steht, ist mein Professor.

Akkusativ (Wen/Was ist direktes Objekt im Relativsatz?): Das Buch, das ich lese, ist spannend.

Dativ (Wem ist indirektes Objekt im Relativsatz?): Die Frau, der ich geholfen habe, war sehr dankbar.

Genitiv (Wessen Eigenschaft beschreibt der Relativsatz?): Der Student, dessen Arbeit sehr gut war, hat ein Stipendium bekommen.

Plural Dativ: Die Leute, denen wir begegnet sind, waren freundlich.

Realistisches EPD-Lesetext-Beispiel: Die Studie, die das Ministerium im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig Sport treiben, seit 2015 kontinuierlich gestiegen ist. Dieser Satz bettet einen Relativsatz (die das Ministerium ... hat) in eine längere Aussage ein -- genau die Art von dichter Struktur, wie sie Ihnen in EPD-Lesetexten begegnet. Das Relativpronomen die steht im Akkusativ (direktes Objekt von in Auftrag geben), nicht im Nominativ, obwohl Studie im Hauptsatz feminines Nominativsubjekt ist.

Der Mann, ___ ich gestern gesehen habe, ist mein Nachbar. Welches Relativpronomen fehlt?

Relativsätze mit Präpositionen

Verlangt das Verb im Relativsatz eine Präposition, steht diese vor dem Relativpronomen. Bestimmen Sie zuerst die Präposition (sie ergibt sich aus dem Verb!), dann den Kasus (den gibt die Präposition vor):

  • Die Stadt, in der ich wohne, ist klein. (wohnen in + Dat.)
  • Der Freund, mit dem ich lerne, kommt aus Wien. (lernen mit + Dat.)
  • Das Thema, über das wir gesprochen haben, war interessant. (sprechen über + Akk.)
  • Die Firma, für die er arbeitet, ist international. (arbeiten für + Akk.)
  • Der Stuhl, auf dem sie sitzt, ist unbequem. (sitzen auf + Dat.)
Die Universität, ··· ··· ich studiere, liegt in Wien.

Relativsätze mit 'wo' und 'was'

wo ersetzt Ortsangaben, vor allem bei Städte- und Ländernamen, bei denen eine Konstruktion mit Präposition + Artikel unnatürlich klingen würde:

  • Die Stadt, wo ich geboren bin, liegt in Österreich.
  • Wien, wo viele Studenten leben, ist eine schöne Stadt.

wo vs. wer: wo ersetzt häufig eine Konstruktion aus Präposition + Relativpronomen nach Ortsnomen: Die Stadt, wo ich lebe statt Die Stadt, in der ich lebe. Beide Formen sind korrekt, wobei wo bei Eigennamen (Städte, Länder) natürlicher klingt. wer funktioniert als freies Relativpronomen im Sinne von „wer auch immer" (Wer das liest, weiß Bescheid.) -- es kommt in EPD-Lesetexten selten vor und wird in Lückentexten fast nie geprüft. Konzentrieren Sie Ihre Energie auf die artikelbasierten Standardpronomen.

was steht nach alles, nichts, etwas, das, vieles sowie nach substantivierten Superlativen, also immer dann, wenn kein konkretes Nomen als Bezugswort dient:

  • Alles, was er sagt, stimmt.
  • Das ist das Beste, was mir passiert ist.
  • Es gibt nichts, was ich ändern würde.

Welches Relativwort passt? 'Das ist alles, ___ ich weiß.'

Die Kollegin, ··· ··· ich das Projekt gemacht habe, ist sehr kompetent. Wien, ··· ich studiere, gefällt mir sehr.

Kurzanleitung: So wählen Sie das richtige Relativpronomen

Gehen Sie jedes Mal diese drei Schritte durch:

SchrittFrageBestimmtBeispiel
1Welches Genus und welchen Numerus hat das Bezugswort?Spalte im Pronomender Mann → Maskulin Singular
2Welche Funktion hat das Pronomen im Relativsatz?Kasus (Zeile)direktes Objekt → Akkusativ
3Schnittpunkt in der Pronomen-Tabelle nachschlagenDie korrekte FormMaskulin + Akkusativ → den

Kurzformel: Bezugswort (Genus/Numerus) + Funktion im Relativsatz (Kasus) = Relativpronomen. Das Bezugswort bestimmt niemals den Kasus -- nur die Rolle innerhalb des Relativsatzes tut das.


Häufige Fehler

Falscher Kasus — der häufigste Fehler überhaupt:

Das Buch, der er liest, ist interessant. (Nominativ statt Akkusativ) ✓ Das Buch, das er liest, ist interessant.

Warum passiert das? Man orientiert sich am Bezugswort (das Buch → Neutrum → das), vergisst aber, die Kasusfunktion im Relativsatz zu prüfen. Hier ist er das Subjekt, das Relativpronomen ist also das direkte Objekt → Akkusativ → das. Der falsche Kasus macht den Satz grammatisch inkorrekt und wird als Fehler gewertet.

Verb nicht am Satzende:

Der Mann, der arbeitet dort, ist mein Nachbar.Der Mann, der dort arbeitet, ist mein Nachbar.

Ein Relativsatz ist ein Nebensatz: Das konjugierte Verb steht am Ende. Ausnahmslos.

Präposition hinter dem Relativpronomen:

Die Firma, die er arbeitet für, ist groß.Die Firma, für die er arbeitet, ist groß.

Im Deutschen steht die Präposition vor dem Relativpronomen, nicht am Satzende. Im Englischen ist es anders; diese Regel lässt sich nicht übertragen.

wem/wen statt Relativpronomen:

Die Frau, mit wem ich gesprochen habe, ...Die Frau, mit der ich gesprochen habe, ...

wem/wen sind Interrogativpronomen: Sie gehören in Fragen, nicht in Relativsätze. Im Relativsatz steht immer die artikelbasierte Form mit der richtigen Kasusendung.

Die Studentin, ··· Arbeit sehr gut war, hat bestanden. Das Buch, ··· ich lese, ist spannend.

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