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Redemittel für die Textproduktion

Akademisches Deutsch lebt von festen Ausdrücken, den sogenannten Redemitteln. Das bedeutet nicht, dass Ihre Texte nach Schablone klingen sollen. Es geht darum, dieselben sprachlichen Werkzeuge einzusetzen, mit denen Muttersprachler Struktur, Meinung und Übergänge kennzeichnen. Wer diese Ausdrücke beherrscht, spart in der Prüfung wertvolle Zeit: Statt jeden Satz von Grund auf zu formulieren, greifen Sie auf bewährte Bausteine zurück und können sich auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankommt: Ihre Argumentation.

Welche Kategorien sind am wichtigsten? Einleitungs- und Argumentationsphrasen dominieren: Sie brauchen sie in jeder einzelnen Textproduktion. Grafik-/Statistik-Phrasen kommen nur zum Einsatz, wenn der Impuls ein Diagramm oder eine Datentabelle enthält; lernen Sie sie, aber priorisieren Sie die ersten beiden Gruppen. Persönliche Erfahrungen und Schlussformulierungen runden den Text ab, tragen aber einzeln weniger Gewicht.


Einleitung: den Impuls zusammenfassen

Die Einleitung gibt den Kern des Impulses wieder und leitet in Ihren Text ein. Fassen Sie sich kurz: 2–3 Sätze genügen. Eine ausschweifende Einleitung kostet Wörter, die Sie später für Argumente brauchen.

  • Im vorliegenden Text geht es um …
  • Der Text befasst sich mit der Frage, ob/wie/warum …
  • Die zentrale These des Autors lautet, dass …
  • Der Artikel beleuchtet das Thema … aus der Perspektive …

Beispiel im Kontext:

Im vorliegenden Text geht es um die zunehmende Nutzung sozialer Medien unter Jugendlichen. Der Autor vertritt die These, dass diese Entwicklung sowohl Chancen als auch Risiken birgt.


Argumentation: Stellung beziehen

Beziehen Sie eine klare Position und stützen Sie diese mit Argumenten. Vermeiden Sie es, jeden Satz mit Ich denke, dass einzuleiten, denn das wirkt eintönig und zeigt, dass Sie nur eine einzige Konstruktion beherrschen. Wer die Einleitung von Argumenten variiert, beweist sprachliche Kompetenz.

Position formulieren:

  • Meiner Meinung nach / Meiner Ansicht nach …
  • Ich bin der Überzeugung, dass …
  • Ich teile die Auffassung, dass …

Argumente einführen:

  • Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass …
  • Ein weiteres Argument dafür/dagegen ist …
  • Darüber hinaus muss man bedenken, dass …
  • Einerseits … andererseits …
  • Zwar … aber …

Gegenargumente einräumen:

  • Natürlich muss man zugeben, dass …
  • Obwohl …, bin ich dennoch der Meinung, dass …
  • Zwar stimmt es, dass …, doch darf man nicht vergessen, dass …

Beispiel im Kontext:

Meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass digitale Medien den Zugang zu Wissen erheblich erleichtern. Natürlich muss man zugeben, dass damit auch Risiken verbunden sind, dennoch bin ich der Überzeugung, dass ein verantwortungsvoller Umgang möglich ist.

··· möchte ich darauf hinweisen, dass Bildung ein Grundrecht ist. Ein ··· Argument dafür ist die Chancengleichheit.
Meiner ··· nach sollte der Staat mehr in Bildung investieren. ··· muss man bedenken, dass nicht alle Kinder gleiche Startchancen haben.

Eigene Erfahrungen einbringen

Persönliche Beispiele machen Ihren Text greifbarer und überzeugender. Ein Beispiel pro Argumentationsabschnitt reicht aus.

  • Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass …
  • Ich persönlich habe erlebt, wie …
  • In meinem Umfeld beobachte ich, dass …
  • Ein konkretes Beispiel aus meinem Alltag ist …

Beispiel im Kontext:

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Sport die Konzentration fördert. In meinem Umfeld beobachte ich, dass Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig Sport treiben, in der Schule besser abschneiden.


Redemittel für Grafiken und Statistiken

Enthält der Impuls eine Grafik oder Statistik, beschreiben Sie die Daten zunächst sachlich; erst danach folgt die Interpretation. Diese beiden Schritte sollten Sie klar voneinander trennen.

Daten beschreiben:

  • Die Grafik/Das Diagramm zeigt, dass …
  • Laut der Statistik … Prozent der Befragten …
  • Aus den Daten geht hervor, dass …
  • Auffällig ist, dass der Anteil von … auf … gestiegen/gefallen ist.

Trends interpretieren:

  • Diese Entwicklung lässt sich damit erklären, dass …
  • Der Anstieg/Rückgang ist vermutlich auf … zurückzuführen.
  • Es ist davon auszugehen, dass dieser Trend anhält, weil …

Vergleiche ziehen:

  • Im Vergleich zu … ist … deutlich höher/niedriger.
  • Während … zunimmt, geht … zurück.
  • Im Gegensatz zu … zeigt … eine andere Tendenz.

Beispiel im Kontext:

Die Grafik zeigt, dass der Anteil der Internetnutzer unter 18 Jahren in den letzten zehn Jahren von 60 % auf 95 % gestiegen ist. Auffällig ist, dass dieser Anstieg besonders bei der Nutzung sozialer Netzwerke zu beobachten ist. Diese Entwicklung lässt sich damit erklären, dass Smartphones für immer jüngere Kinder zugänglich werden.


Maßnahmen vorschlagen

  • Eine mögliche Lösung wäre, … zu …
  • Die Politik/Gesellschaft sollte …
  • Es wäre sinnvoll, wenn …
  • Ich würde vorschlagen, dass …
  • Um dieses Problem zu lösen, müsste man …
  • Es wäre wünschenswert, wenn … stärker gefördert würde.
  • Eine wirksame Maßnahme könnte darin bestehen, dass …
  • Sowohl … als auch … sind gefragt, um … zu verbessern.

Beispiel im Kontext:

Um dieses Problem zu lösen, müsste man zunächst das Bewusstsein in der Gesellschaft schärfen. Ich würde vorschlagen, dass Schulen Medienkompetenz als Pflichtfach einführen. Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn die Politik entsprechende Förderprogramme auflegen würde.

Eine mögliche ··· wäre, mehr Jugendzentren zu ··· . Es wäre ···, wenn die Gemeinden dafür Mittel bereitstellen würden.

Schluss: Fazit ziehen

Der Schluss ist kurz: 2–3 Sätze. Er bündelt die wichtigsten Punkte und formuliert Ihre abschließende Position. Kein neues Argument, kein neues Beispiel.

  • Zusammenfassend lässt sich sagen, dass …
  • Abschließend möchte ich betonen, dass …
  • Alles in allem bin ich der Meinung, dass …
  • Daher bin ich der Überzeugung, dass … ein wichtiges Thema bleibt.
  • Ich hoffe, dass … in Zukunft mehr Beachtung findet.

Beispiel im Kontext:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass soziale Medien sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Abschließend möchte ich betonen, dass der verantwortungsvolle Umgang der entscheidende Faktor ist. Daher bin ich der Überzeugung, dass dieses Thema in der Bildung stärker berücksichtigt werden sollte.

Welche Phrase passt am besten in ein Fazit?

··· lässt sich sagen, dass Umweltschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. ··· möchte ich betonen, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann.

Niveauunterschied: B2 vs. C1

Dieselbe Aussage lässt sich auf unterschiedlichem Sprachniveau formulieren. Das EPD erwartet B2; ein gezielt platzierter C1-Ausdruck kann Ihren Text jedoch spürbar aufwerten. Dabei gilt immer: Klarheit geht vor Komplexität. Der größte Fehler besteht darin, lange C1-Konstruktionen zu bauen, die grammatisch auseinanderfallen.

IdeeB2-FormulierungC1-Formulierung
Eigene MeinungIch finde, dass …Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass …
ZustimmungDas stimmt, weil …Diese Einschätzung teile ich, da …
GegenargumentAber man muss auch sagen, dass …Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass …
Lösung vorschlagenMan sollte … machen.Eine zielführende Maßnahme wäre es, … zu …
SchlussIch denke, das ist ein wichtiges Thema.Daher bleibt festzuhalten, dass … einer dringenden gesellschaftlichen Diskussion bedarf.

Welche Formulierung klingt eher nach C1-Niveau?


Häufige Fehler

Umgangssprache statt Redemittel: Ich find, das ist ein Problem. ❌ → Besser: Meiner Meinung nach ist das problematisch. Das EPD verlangt schriftsprachliches Niveau. Umgangssprachliche Formulierungen kosten Punkte in der Kategorie „Lexik".

Immer denselben Ausdruck verwenden: Drei Mal hintereinander Ich denke, dass wirkt monoton und zeigt, dass Sie nur eine Konstruktion beherrschen. Wechseln Sie die Satzanfänge: Meiner Ansicht nach, Ich bin der Überzeugung, dass, Es lässt sich argumentieren, dass. Verschiedene Einleitungsformeln sind ein direktes Zeichen sprachlicher Flexibilität.

Monotoner Satzbau: Selbst mit abwechslungsreichen Einleitungsformeln entsteht ein flacher Rhythmus, wenn jeder Satz dem Muster „Phrase + dass-Satz" folgt. Wechseln Sie zwischen Hauptsatz-Argumenten, Nebensätzen mit weil/obwohl, Infinitivkonstruktionen mit um...zu und gelegentlichen rhetorischen Fragen. Strukturelle Vielfalt signalisiert Sprachbeherrschung ebenso wie lexikalische Vielfalt.

Register innerhalb eines Absatzes wechseln: Wenn Sie eine lockere B2-Formulierung wie Ich finde, dass ... mit einer formellen C1-Konstruktion wie Dem ist entgegenzuhalten, dass ... im selben Absatz kombinieren, entsteht ein spürbarer Stilbruch. Halten Sie das Register innerhalb jedes Abschnitts konsistent. Wenn Sie einen Absatz auf C1-Niveau beginnen, halten Sie dieses Niveau den gesamten Absatz über. Wechselndes Register wirkt unsicher, nicht vielseitig.

Keine eigene Meinung formulieren: Ein Text ohne klar erkennbare Position verliert Punkte bei „Inhalt". Die Aufgabenstellung fordert ausdrücklich eine Stellungnahme; wer keine abgibt, erfüllt die Aufgabe nicht.


Nützliche Verbindungswörter

FunktionBeispiele
Ergänzungaußerdem, zusätzlich, darüber hinaus
Kontrastjedoch, dennoch, trotzdem, im Gegensatz dazu
Folgedeshalb, daher, infolgedessen, aus diesem Grund
Bedingungfalls, sofern, unter der Voraussetzung, dass
Zeitzunächst, anschließend, schließlich, zuletzt

Tipps für die EPD-Textproduktion

  1. Wortanzahl einhalten — Der Text muss 230–250 Wörter umfassen. Zählen Sie am Ende nach.
  2. Struktur sichtbar machen — Einleitung, Hauptteil (2–3 Argumente), Schluss. Absätze machen die Gliederung deutlich.
  3. Nicht bloß Phrasen auflisten — Jedes Argument braucht eine Begründung oder ein Beispiel.
  4. Impulsbezug herstellen — Beziehen Sie sich direkt auf den Text oder die Grafik.
  5. Eigene Meinung klar formulieren — Nehmen Sie deutlich Stellung.
  6. Satzmuster variieren — Wechseln Sie zwischen Haupt- und Nebensätzen.
  7. Zeit einteilen — Etwa 5 Minuten lesen, 20 Minuten schreiben, 5 Minuten korrigieren.

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