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Nominalisierung

Stellen Sie sich vor, Sie lesen einen offiziellen Bericht und stoßen auf folgenden Satz: "Nach der Untersuchung des Problems und der anschließenden Entwicklung einer Lösung wurde die Implementierung beschlossen." Kein einziges Verb außer dem letzten. Das ist kein Zufall: Formelles und akademisches Deutsch setzt bewusst auf Substantivkonstruktionen -- sie sind kompakt, bündeln mehrere Informationsebenen und lassen sich problemlos mit Attributen erweitern. Dieses Stilmittel heißt Nominalisierung: Verben oder Adjektive werden zu Nomen umgewandelt. In formellen Texten ist ungefähr jedes dritte Wort eine solche Ableitung. In der EPD müssen Sie Nominalisierungen erkennen (Lesen, Satztransformation) und selbst bilden (Textproduktion).

Verb → Nomen

Die häufigste Form: Ein Verb wird durch ein abgeleitetes Substantiv ersetzt. Die Argumente des Verbs bleiben erhalten -- als Genitivattribute.

VerbNomenBeispiel
entwickelndie Entwicklungdie Entwicklung neuer Technologien
lösendie Lösungdie Lösung des Problems
untersuchendie Untersuchungdie Untersuchung der Ergebnisse
verbesserndie Verbesserungdie Verbesserung der Qualität

Häufige Nominalsuffixe

Das Suffix bestimmt den Artikel -- lernen Sie beides zusammen:

SuffixArtikelBeispieleHinweis
-ungdieVeränderung, Erklärung, Lösungmeistens von Verben abgeleitet
-keit / -heitdieMöglichkeit, Gesundheit, Freiheitvon Adjektiven; -keit nach -ig, -lich
-tion / -siondieInformation, Diskussionmeist Fremdwörter
-itätdieQualität, Aktivität, Universitätinternationale Wörter lateinischen Ursprungs
-eidieBäckerei, Polizei, MalereiOrt oder Tätigkeit
-erderLehrer, Arbeiter, Forscherhandelnde Person (Maskulinum)
-nisdas/dieErgebnis, Erkenntnis, Ereignisoft Neutrum; Plural: -nisse
-schaftdieGesellschaft, Wirtschaft, Freundschaftsoziale Gruppe oder Zustand
-tumdasWachstum, Eigentum, ReichtumZustand oder Eigenschaft
-edieHilfe, Bitte, Sorgekurze Ableitungen

Verbalnominalisierung -- systematisch

Beim Umschreiben eines Verbalsatzes in Nominalstil wird das Verb durch ein abgeleitetes Nomen ersetzt. Artikel und Satzbau ändern sich entsprechend.

Muster: -ung (am häufigsten)

Das Suffix -ung wird an den Verbstamm angehängt. Diese Nomen sind immer feminin (die).

VerbNomenBeispielsatz
arbeitendie ArbeitDie Arbeit am Projekt dauert Wochen.
forschendie ForschungDie Forschung lieferte neue Erkenntnisse.
entscheidendie EntscheidungDie Entscheidung des Ausschusses war eindeutig.
bewerbendie BewerbungDie Bewerbung muss bis Freitag eingehen.
beschreibendie BeschreibungDie Beschreibung des Verfahrens war präzise.
durchführendie DurchführungDie Durchführung des Projekts begann im Mai.

Muster: Infinitiv als Nomen

Jeder Infinitiv lässt sich als Neutrum (das) substantivieren -- eine praktische Möglichkeit, wenn kein abgeleitetes Substantiv existiert:

  • das Schreiben, das Lernen, das Forschen, das Entscheiden
  • Das Lesen von Fachtexten fördert den Wortschatz.
  • Das Verbessern der Methoden ist notwendig.
VerbNominalisierter InfinitivBeispielsatz
lernendas LernenDas Lernen einer Fremdsprache erfordert Geduld.
schreibendas SchreibenDas Schreiben von Berichten gehört zum Studium.
lesendas LesenDas Lesen ist eine Grundkompetenz.
verstehendas VerstehenDas Verstehen komplexer Texte braucht Übung.
zusammenlebendas ZusammenlebenDas Zusammenleben in der Stadt stellt Herausforderungen dar.
entscheidendas EntscheidenDas Entscheiden unter Zeitdruck ist schwierig.

In der EPD-Textproduktion können Sie mit nominalisierten Infinitiven eine verbale Idee in eine kompakte Nominalphrase packen -- Wir müssen die Methoden verbessern wird zu Das Verbessern der Methoden ist notwendig. Sie sind besonders nützlich, wenn Sie ein Subjekt für einen Satz brauchen und kein Standard-Nomen auf -ung existiert.

Personenbezeichnungen: -er / -in

Personenbezeichnungen benennen die Person, die eine Handlung ausführt. Sie werden direkt vom Verbstamm mit dem Suffix -er (maskulin) oder -erin (feminin) abgeleitet. Der Artikel richtet sich nach dem grammatischen Geschlecht -- das ist wichtig für die Kongruenz im restlichen Satz.

VerbMaskulin (der)Feminin (die)
forschender Forscherdie Forscherin
lehrender Lehrerdie Lehrerin
arbeitender Arbeiterdie Arbeiterin
entwickelnder Entwicklerdie Entwicklerin
teilnehmender Teilnehmerdie Teilnehmerin

In formellen Texten sollten Sie gegebenenfalls geschlechtergerechte Formen verwenden: Forscherinnen und Forscher, Teilnehmende, Studierende. Die EPD erwartet, dass Sie sowohl geschlechtsspezifische als auch neutrale Formen korrekt einsetzen können.

Genitivketten -- wann man umstrukturieren sollte

Nominalisierung erzeugt häufig lange Genitivketten: die Untersuchung der Auswirkungen der Maßnahmen der Regierung. Grammatisch korrekt, aber ab drei aufeinanderfolgenden Genitiven schwer lesbar. Erwägen Sie in solchen Fällen eine Umstrukturierung mit von + Dativ oder durch Satzaufteilung:

  • die Untersuchung der Auswirkungen der Maßnahmen der Regierung (drei Genitive)
  • die Untersuchung der Auswirkungen von Regierungsmaßnahmen (von + Dativ ersetzt einen Genitiv)
  • Die Regierung ergriff Maßnahmen. Deren Auswirkungen wurden untersucht. (zwei Sätze)

In der Textproduktion wirken ein oder zwei Genitivattribute elegant. Drei oder mehr signalisieren, dass der Satz umgebaut werden sollte.

Adjektivnominalisierung

Auch Adjektive lassen sich durch Suffixe in Nomen verwandeln -- sie bezeichnen dann Eigenschaften oder Zustände. Die Wahl des richtigen Suffixes ist entscheidend: Die Suffixe sind nicht austauschbar.

Muster: -heit und -keit

Nach Adjektiven auf -ig, -lich, -sam, -bar steht -keit; in anderen Fällen meist -heit. Beide Suffixe bilden ausnahmslos feminine Nomen.

AdjektivNomenBeispiel
krankdie KrankheitDie Krankheit verbreitete sich schnell.
dunkeldie DunkelheitIn der Dunkelheit war nichts zu sehen.
möglichdie MöglichkeitEs gibt keine andere Möglichkeit.
freidie FreiheitDie Freiheit ist ein Grundrecht.
sicherdie SicherheitDie Sicherheit der Daten ist wichtig.
fähigdie FähigkeitDie Fähigkeit zum Denken ist angeboren.

Muster: -ität (internationale Adjektive)

AdjektivNomenBeispiel
aktivdie AktivitätDie Aktivität der Gruppe war hoch.
kreativdie KreativitätKreativität ist gefragt.
komplexdie KomplexitätDie Komplexität nimmt zu.

Satztransformation: Verbalsatz ↔ Nominalsatz

Das ist das Kernstück der EPD-Satztransformation. Die zentrale Frage: Welche Konjunktion wird durch welche Präposition ersetzt -- und welchen Kasus verlangt die neue Präposition?

Verbalsatz → Nominalsatz

Verbal: Weil die Kosten steigen, müssen wir sparen. Nominal: Wegen des Kostenanstiegs müssen wir sparen.

Verbal: Nachdem man das Problem untersucht hatte, fand man eine Lösung. Nominal: Nach der Untersuchung des Problems fand man eine Lösung.

Verbal: Obwohl es Schwierigkeiten gab, wurde das Ziel erreicht. Nominal: Trotz der Schwierigkeiten wurde das Ziel erreicht.

Verbal: Wenn Studierende ankommen, werden sie begrüßt. Nominal: Bei der Ankunft der Studierenden werden sie begrüßt.

Wichtige Präpositionen bei Nominalisierung

KonjunktionPräpositionKasusBeispiel
weil / dawegenGenitivwegen des Regens
obwohltrotzGenitivtrotz der Schwierigkeiten
währendwährendGenitivwährend der Prüfung
nachdemnachDativnach der Ankunft
bevorvorDativvor der Abreise
wennbeiDativbei der Ankunft
damitzuDativzur Verbesserung
indemdurchAkkusativdurch die Verwendung

Häufige Fehler

1. Falscher Artikel

Jedes Suffix legt den Artikel fest. Merken Sie sich die Zuordnungen:

  • die → alle -ung, -heit, -keit, -schaft, -ität, -ei (fast ausnahmslos)
  • der → alle -er (Personenbezeichnungen: Lehrer, Forscher)
  • das → alle -tum, nominalisierte Infinitive (das Lernen); -nis ist meist das, aber: die Kenntnis, die Erlaubnis

der Entwicklung → ✓ die Entwicklungdas Gesellschaft → ✓ die Gesellschaft

2. Falsches Suffix

Nicht jedes Verb bildet sein Nomen mit -ung -- viele haben unregelmäßige Formen. Bevor Sie -ung automatisch an jeden Verbstamm hängen, überprüfen Sie die gebräuchliche Form:

VerbFalschRichtig
arbeitendie Arbeitungdie Arbeit
beginnendie Beginnungder Beginn
wachsendie Wachsungdas Wachstum
kämpfendie Kämpfungder Kampf

3. Artikelanpassung bei Transformation vergessen

Beim Umschreiben in Nominalstil muss der Artikel dem Kasus der neuen Präposition entsprechen -- der Nominativ des ursprünglichen Satzes passt oft nicht mehr:

Wegen das Problem … → ✓ Wegen des Problems … (Genitiv, nicht Nominativ!) ❌ Nach die Prüfung … → ✓ Nach der Prüfung … (Dativ Singular Femininum)


Nominalisieren Sie das Verb: entscheiden

Schreiben Sie in Nominalstil um: Obwohl es Schwierigkeiten gab, wurde das Ziel erreicht.

Schreiben Sie in Nominalstil um: Wenn Studierende ankommen, werden sie begrüßt.

Welches Suffix wird häufig für die Nominalisierung von Adjektiven verwendet?

Welches Suffix bestimmt den Artikel 'der'?

Die (entwickeln) des Projekts dauerte lange. Die (möglich), remote zu arbeiten, ist wichtig.
Die (krank) des Patienten wurde untersucht. Die (aktiv) der Gruppe war beeindruckend. Das (wachsen) der Wirtschaft verlangsamte sich.

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