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Modalverben

Modalverben sind mehr als grammatische Hilfsmittel -- jedes trägt eine eigene Bedeutungsnuance: Erlaubnis, Fähigkeit, Pflicht, Erwartung, Wunsch. Nehmen Sie dürfen und können: Beides lässt sich mit "can" übersetzen, doch der Unterschied ist ein sozialer. Ich kann das öffnen heißt: Ich bin dazu in der Lage. Ich darf das öffnen heißt: Mir wurde es erlaubt. Wer die beiden verwechselt, klingt entweder unhöflich oder ungenau -- und genau diese Unterscheidung wird in der EPD geprüft.

Modalverben begegnen Ihnen in der EPD bei Satzergänzungen (Lückentexte), bei Satztransformationen (Modalverb durch synonymen Ausdruck ersetzen) und in der Textproduktion (Vorschläge formulieren: Sie könnten..., Sie sollten...).

Übersicht der Bedeutungen

Modalverben sind nicht beliebig austauschbar. Die Tabelle zeigt die Kernbedeutungen -- achten Sie besonders auf die Paare müssen / sollen und können / dürfen, die am häufigsten verwechselt werden:

ModalverbBedeutungBeispiel
könnenphysische/geistige Fähigkeit; allgemeine MöglichkeitEr kann gut Deutsch sprechen.
müsseninnere Notwendigkeit; logische SchlussfolgerungIch muss morgen früh aufstehen.
dürfenErlaubnis (positiv); Verbot (negativ: nicht dürfen)Hier darf man nicht rauchen.
sollenäußere Verpflichtung; Auftrag von jemand anderemSie sollen mehr Wasser trinken.
wolleneigener Wunsch oder AbsichtSie will Ärztin werden.
mögenVorliebe (mögen); höflicher Wunsch (möchte)Er mag keinen Kaffee.

Konjugation: Präsens und Präteritum

Im Präsens verhalten sich Modalverben unregelmäßig: Die 1. und 3. Person Singular haben keinen Umlaut und keine Endung -t. Im Präteritum fällt der Umlaut ganz weg. In der geschriebenen Sprache ist das Präteritum bei Modalverben die üblichere Form -- deutlich häufiger als das Perfekt.

Personkönnenmüssendürfensollenwollenmögen
ichkannmussdarfsollwillmag
dukannstmusstdarfstsollstwillstmagst
er/sie/eskannmussdarfsollwillmag
wirkönnenmüssendürfensollenwollenmögen
ihrkönntmüsstdürftsolltwolltmögt
sie/Siekönnenmüssendürfensollenwollenmögen
Personkonntemusstedurftesolltewolltemochte
ichkonntemusstedurftesolltewolltemochte
dukonntestmusstestdurftestsolltestwolltestmochtest
er/sie/eskonntemusstedurftesolltewolltemochte
wirkonntenmusstendurftensolltenwolltenmochten
ihrkonntetmusstetdurftetsolltetwolltetmochtet
sie/Siekonntenmusstendurftensolltenwolltenmochten

Welches Modalverb drückt eine Erlaubnis aus?

Subjektive Bedeutung (Vermutung)

Modalverben können auch die Einschätzung des Sprechers ausdrücken -- wie sicher er sich bei einer Aussage ist. Das nennt man subjektive Bedeutung. Besonders in Lesetexten ist sie wichtig, weil dort Fakten, Vermutungen und Gerüchte nebeneinanderstehen können:

SicherheitsgradModalverbBeispiel
fast sicher (95 %)mussEr muss krank sein.
wahrscheinlich (75 %)dürfteEr dürfte etwa 30 sein.
möglich (50 %)könnteEr könnte Recht haben.
Gerücht / HörensagensollEr soll sehr reich sein.
Behauptung (unbestätigt)willEr will ein Experte sein.
  • Die Straße ist nass -- es muss geregnet haben. (Ich bin sicher.)
  • Sie dürfte schon zu Hause sein. (Wahrscheinlich.)
  • Das könnte ein Fehler sein. (Vielleicht.)
  • Er soll im Ausland studiert haben. (So wird erzählt.)

'Er muss krank sein.' — Was bedeutet 'muss' hier?

Welcher Satz drückt ein Gerücht aus?

Modalverben im Passiv (Modalverb + Passiv)

Modalverben lassen sich mit dem Passiv kombinieren, um Notwendigkeit, Möglichkeit oder Erlaubnis auszudrücken, ohne den Handelnden zu nennen. Die Struktur lautet: Modalverb (konjugiert) + Partizip II + werden. Beispiel: Dieses Problem muss gelöst werden. Eine ausführliche Darstellung des Passivs inklusive Vorgangspassiv und Zustandspassiv finden Sie im Theorieartikel zum Passiv.

Objektiver vs. subjektiver Gebrauch -- ein realistischer Kontrast

Dasselbe Modalverb kann eine objektive Bedeutung (Tatsachenaussage) oder eine subjektive Bedeutung (Einschätzung des Sprechers) tragen. Vergleichen Sie diese beiden Sätze mit müssen:

  • Objektiv: Ich muss heute bis 18 Uhr arbeiten. — Eine reale Verpflichtung: Mein Zeitplan verlangt es.
  • Subjektiv: Er muss heute bis 18 Uhr gearbeitet haben. — Ich bin fast sicher, dass er so lange gearbeitet hat, basierend auf Indizien.

Der objektive Gebrauch beschreibt eine Tatsache; der subjektive Gebrauch beschreibt die Sicherheit des Sprechers über eine Tatsache. In der EPD ist die Unterscheidung dieser beiden Lesarten eine wiederkehrende Aufgabe -- fragen Sie sich immer: Beschreibt der Satz eine Pflicht oder drückt er eine Vermutung aus?

Modalverben im Perfekt

Im Perfekt bilden Modalverben einen doppelten Infinitiv -- das Partizip II wird nicht verwendet. Das sieht auf den ersten Blick ungewohnt aus, ist aber die einzig korrekte Form:

  • Ich habe gestern arbeiten müssen. (doppelter Infinitiv)
  • Er hat nicht kommen können.
  • Sie hat das nicht machen dürfen.

Merke: Modalverb im Perfekt = haben + doppelter Infinitiv (nicht Partizip II).

Sie ··· gestern leider nicht kommen ···.
Er ··· den ganzen Tag arbeiten ···. Wir ··· leider nicht bleiben ···.

Häufige Fehler

müssen vs. sollen -- der häufigste EPD-Verwechslungspunkt:

Dieses Paar verursacht in der EPD mehr Punktverlust als jede andere Modalverb-Unterscheidung. Die Regel ist einfach, aber unter Druck leicht vergessen: müssen drückt eine innere Notwendigkeit aus -- Sie selbst empfinden sie, oder sie ergibt sich logisch aus der Situation. sollen drückt eine äußere Verpflichtung aus -- jemand anderes hat es gesagt, angewiesen oder erwartet. Die Verwechslung klingt nicht nur falsch, sie verändert die Aussage des Satzes grundlegend. Wenn Sie in einer Lückentext- oder Transformationsaufgabe mit Pflicht/Verpflichtung konfrontiert werden, fragen Sie sich immer: Wer ist die Quelle der Verpflichtung -- das Subjekt selbst oder jemand anderes?

Sie müssen mehr lernen. (wenn der Lehrer es gesagt hat) ✓ Sie sollen mehr lernen. -- sollen = jemand anderes hat das verlangt

müssen = ich selbst empfinde die Notwendigkeit. sollen = die Anweisung kommt von außen. Wer das verwechselt, sagt etwas völlig anderes als gemeint.

nicht müssen ≠ nicht dürfen:

Sie müssen das nicht tun bedeutet nicht "es ist verboten", sondern "es ist nicht nötig" ✓ Für ein Verbot: Das darf man nicht tun.

möchte vs. mögen -- nicht austauschbar:

Ich möge einen Kaffee. (bei einer Bestellung) ✓ Ich möchte einen Kaffee. -- möchte = Konjunktiv II von mögen, höflicher Wunsch ✓ Ich mag Kaffee. -- mag = Präsens, allgemeine Vorliebe

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