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Lesestrategien für die EPD

Die meisten Lernenden gehen an einen EPD-Text heran wie an einen Roman: von vorne nach hinten, Wort für Wort, ohne vorher auch nur eine Aufgabe gelesen zu haben. In der Prüfung ist das der sicherste Weg, Zeit zu verlieren und Punkte zu verschenken. Wer im Leseverstehen gut abschneidet, liest nicht mehr, sondern gezielter. Diese Studierenden wissen, wonach sie suchen, bevor sie den Text überhaupt aufschlagen.

Drei Strategien und wann welche zum Einsatz kommt

Es gibt drei Lesearten, die Sie kennen und bewusst einsetzen sollten. Keine davon passt auf jede Situation; der Schlüssel liegt darin, die richtige im richtigen Moment zu wählen.

Skimming heißt: den Text schnell überfliegen, um Thema und Aufbau zu erfassen. Sie lesen nicht jeden Satz, sondern scannen Überschriften, die Einleitungssätze der Absätze und auffällige Schlüsselwörter. Skimming kommt ganz am Anfang zum Einsatz, bevor Sie an die Aufgaben gehen. Es verschafft Ihnen eine mentale Landkarte des Textes, sodass Sie später ungefähr wissen, wo welche Information steht. Planen Sie für diesen ersten Durchgang etwa 1–2 Minuten ein, nicht mehr.

Scanning heißt: gezielt nach einer bestimmten Information suchen, etwa einer Zahl, einem Namen oder einem Stichwort. Dabei lesen Sie den Text nicht vollständig; der Blick gleitet über die Zeilen, bis das Gesuchte auftaucht. Scanning ist Ihr Werkzeug für jede einzelne Aufgabe: Sie haben die Frage gelesen, Sie kennen das Schlüsselwort, jetzt suchen Sie die passende Textstelle. Das sollte pro Frage nur wenige Sekunden dauern. Sie kennen das Schlüsselwort bereits, also lassen Sie den Blick direkt dorthin springen, statt linear zu lesen.

Intensives Lesen heißt: einen Abschnitt aufmerksam und vollständig lesen, um jede Nuance zu erfassen. Das klingt nach dem Normalfall, ist es aber nicht. Intensives Lesen kostet viel Zeit. Setzen Sie es nur für die konkreten Sätze oder Absätze ein, die für eine bestimmte Aufgabe relevant sind, niemals für den gesamten Text.

Vermeiden Sie Wort-für-Wort-Lesen von Anfang bis Ende. Wort-für-Wort-Lesen fühlt sich gründlich an, ist aber in einer zeitbegrenzten Prüfung die langsamste und am wenigsten strategische Methode: Sie investieren gleich viel Energie in irrelevante und entscheidende Absätze. Die drei oben genannten Lesearten existieren genau dafür, diese Gewohnheit zu ersetzen.

Die richtige Reihenfolge

Lesen Sie zuerst die Aufgaben. Überfliegen Sie dann den gesamten Text (Skimming). Anschließend suchen Sie für jede einzelne Aufgabe per Scanning die relevante Stelle und lesen nur diesen Abschnitt intensiv. Das mag zunächst umständlich klingen, spart in der Prüfung aber erheblich Zeit, weil Sie nie ohne Ziel lesen.

Was sollten Sie als Erstes tun, bevor Sie den Text genau lesen?

Aufgabentyp: Richtig / Falsch / Nicht im Text

Hier ist präzises Lesen gefragt, nicht schnelles. Lesen Sie die Aussage, suchen Sie per Scanning die passende Textstelle und vergleichen Sie dann sorgfältig, nicht dem allgemeinen Sinn nach, sondern wörtlich. Achten Sie besonders auf:

  • Zahlen und Prozente: eine veränderte Zahl macht die Aussage falsch
  • Modalverben: muss und kann bedeuten grundlegend Verschiedenes
  • Verneinungen: kein, nicht, kaum können den Sinn ins Gegenteil verkehren
  • Paraphrasen: die Aussage verwendet andere Wörter als der Text, meint aber dasselbe

Vorsicht bei tückischen Paraphrasen, die auf den ersten Blick falsch aussehen, aber tatsächlich richtig sind. Beispiel: Im Text steht „Fast 80 % der Befragten bevorzugen öffentliche Verkehrsmittel." Die Aussage lautet: „Die Mehrheit nutzt lieber den Bus oder die Bahn." Ihr erster Impuls mag sein, „falsch" anzukreuzen, weil der Wortlaut so verschieden ist, aber „fast 80 %" ist eine klare Mehrheit, und „öffentliche Verkehrsmittel" umfasst Busse und Bahnen. Die Aussage ist eine Paraphrase, kein Widerspruch. Im Zweifelsfall: Übersetzen Sie beide Sätze in ihre Kernaussage und vergleichen Sie diese.

Richtig: stimmt mit dem Text überein. Falsch: widerspricht dem, was im Text steht. Nicht im Text: die Information fehlt vollständig; der Text äußert sich dazu nicht.

Der Text sagt: 'Die meisten Studenten fahren mit dem Bus.' Aussage: 'Alle Studenten fahren mit dem Bus.' — richtig, falsch oder nicht im Text?

Aufgabentyp: Paralleltext ergänzen

Beim Paralleltext genügt es nicht, dass ein Satz inhaltlich passt; er muss auch grammatisch und logisch in den Textfluss gehören. Lesen Sie den Satz vor und nach jeder Lücke aufmerksam. Achten Sie auf Kohäsionsmittel: Pronomen (worauf beziehen sie sich?), Konnektoren (deshalb, jedoch, außerdem – welche logische Verbindung ergibt sich?), thematische Wörter aus demselben Sachfeld. Ein Satz bleibt am Ende übrig; das ist Absicht, er passt nirgendwo hin.

Aufgabentyp: Lückentext mit Wortkasten

Lesen Sie zuerst den gesamten Text, um Thema und Stil zu erfassen. Setzen Sie dann die Wörter ein, bei denen Sie sich sicher sind; das verkürzt die Auswahlliste und erleichtert die restlichen Lücken. Prüfen Sie bei jeder Lücke beides: Grammatik (Kasus, Genus, Verbform) und Bedeutung im Kontext. Jedes Wort wird nur einmal verwendet.

Aufgabentyp: Synonyme im Kontext

Manche Wörter haben mehrere Bedeutungen; hier zählt nur die kontextbezogene. Lesen Sie nicht nur den Satz mit dem unterstrichenen Wort, sondern auch den Satz davor und danach. Dann entscheiden Sie, welches der angebotenen Wörter in diesem konkreten Zusammenhang dieselbe Funktion übernimmt.

Das unterstrichene Wort im Satz 'Das Unternehmen hat sein Angebot erweitert' bedeutet im Kontext...

Aufgabentyp: Multiple Choice

Lesen Sie die Frage und sämtliche Optionen, bevor Sie im Text nach der relevanten Stelle suchen. Eliminieren Sie falsche Antworten systematisch: Was widerspricht dem Text? Was kommt im Text gar nicht vor? Was ist zu allgemein oder zu speziell? Die richtige Antwort muss sich durch eine konkrete Textstelle belegen lassen.

Häufige Fehler

Den gesamten Text intensiv lesen, bevor man die Aufgaben kennt. Ohne Suchrichtung widmet man allem die gleiche Aufmerksamkeit, was Zeit kostet und keine brauchbare Struktur für die Aufgaben hinterlässt.

Bei einem unbekannten Wort hängenbleiben. Ein unbekanntes Wort ist kein Grund, das Lesen zu unterbrechen. Überspringen Sie es, versuchen Sie, die Bedeutung aus dem Kontext abzuleiten, oder akzeptieren Sie, dass es für die Aufgaben möglicherweise gar keine Rolle spielt.

Aus dem Gedächtnis antworten, ohne in den Text zurückzukehren. Das Gedächtnis vereinfacht und verfälscht. Suchen Sie immer die konkrete Textstelle und vergleichen Sie sie direkt mit der Aussage, ganz besonders bei Richtig/Falsch/Nicht im Text.

Allen Aufgaben gleich viel Zeit widmen. Manche lassen sich in Sekunden lösen, andere erfordern sorgfältiges Nachdenken. Markieren Sie unsichere Aufgaben und kommen Sie zurück, aber lassen Sie keine einzige leer.

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