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Infinitivkonstruktionen

Infinitivkonstruktionen sind verkürzte Nebensätze. Statt Es ist wichtig, dass man pünktlich ist heißt es im geschriebenen Deutsch knapper: Es ist wichtig, pünktlich zu sein. Diese Verdichtung begegnet Ihnen überall in Fachtexten, besonders in der EPD in Satztransformationsaufgaben (Nebensatz ↔ Infinitivkonstruktion) sowie in Lückentexten. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, die drei Haupttypen (um...zu, ohne...zu, (an)statt...zu), die Stellung von zu und die Unterscheidung zwischen Verben mit und ohne zu sicher zu beherrschen.

um ... zu + Infinitiv (Zweck)

um...zu drückt ein Ziel aus. Die Konstruktion funktioniert nur, wenn beide Satzteile dasselbe Subjekt haben. Das ist die entscheidende Bedingung:

  • Er lernt Deutsch, um die Prüfung zu bestehen.
  • Als Nebensatz: Er lernt Deutsch, damit er die Prüfung besteht.

Bei verschiedenen Subjekten geht nur der damit-Satz:
Er erklärt ihr das Thema, damit sie die Prüfung besteht.

ohne ... zu + Infinitiv (fehlende Begleithandlung)

  • Er ging weg, ohne sich zu verabschieden.
  • Als Nebensatz: Er ging weg, ohne dass er sich verabschiedete.

(an)statt ... zu + Infinitiv (Alternative)

  • Er spielte, (an)statt zu lernen.
  • Als Nebensatz: Er spielte, anstatt dass er lernte.

Wo steht „zu"? Die Regeln im Detail

Die Stellung von zu ist eine der häufigsten Fehlerquellen. Die Grundregel ist einfach: Man muss nur wissen, ob das Verb trennbar ist oder nicht.

Trennbare Verben: zu wird zwischen Präfix und Verbstamm eingefügt; alles wird zusammengeschrieben.

InfinitivInfinitiv mit zu
einkaufeneinzukaufen
aufräumenaufzuräumen
anrufenanzurufen
vorhabenvorzuhaben
aufhörenaufzuhören
anfangenanzufangen

Beispiele:

  • Er versucht, das Zimmer aufzuräumen.
  • Sie hat vor, morgen einzukaufen.
  • Er bat sie, früh anzurufen.

Nicht trennbare Verben: zu steht vor dem Verb, als zwei getrennte Wörter.

Nicht trennbare Präfixe: be-, ge-, er-, ver-, zer-, ent-, emp-, miss-

InfinitivInfinitiv mit zu
verstehenzu verstehen
beginnenzu beginnen
besuchenzu besuchen
erklärenzu erklären
vergessenzu vergessen

Beispiele:

  • Es ist schwierig, das zu verstehen.
  • Er hofft, die Aufgabe zu erklären.

Verben, die zu + Infinitiv verlangen

Zahlreiche Verben stehen mit Infinitiv + zu. Sie müssen nicht alle kennen; konzentrieren Sie sich auf die häufigsten für die EPD:

versuchen (den Versuch unternehmen)

  • Er versucht, die Aufgabe zu lösen.
  • Sie versucht, pünktlich zu sein.

vorhaben (planen, beabsichtigen; trennbar!)

  • Er hat vor, morgen abzureisen.
  • Wir haben vor, das Museum zu besuchen.

planen (etwas für die Zukunft vorsehen)

  • Sie plant, im Sommer zu reisen.

beginnen / anfangen (eine Handlung einleiten)

  • Er beginnt, Deutsch zu lernen.
  • Sie fängt an, das Buch zu lesen.

aufhören (eine Handlung beenden; trennbar!)

  • Er hört auf, zu rauchen.
  • Sie hört auf, so laut zu sprechen.

scheinen (einen Eindruck vermitteln)

  • Er scheint müde zu sein.
  • Das Problem scheint gelöst zu sein.

hoffen (eine Erwartung ausdrücken)

  • Sie hofft, die Prüfung zu bestehen.
  • Er hofft, bald anzukommen.

vergessen (eine unterlassene Handlung)

  • Er vergisst immer, die Tür abzuschließen.

empfehlen / bitten / erlauben (empfehlen und erlauben mit Dativobjekt, bitten mit Akkusativobjekt)

  • Er empfiehlt ihr, mehr zu üben.
  • Sie bittet ihn, leiser zu sprechen.

zu + Infinitiv nach Adjektiven

Infinitivkonstruktionen treten auch nach Adjektiven auf -- typischerweise mit sein oder finden. Das Muster lautet: Adjektiv + zu + Infinitiv.

AdjektivBeispiel
schwerDie Aufgabe ist schwer zu lösen.
leichtDer Text ist leicht zu verstehen.
unmöglichDieser Fehler ist unmöglich zu übersehen.
wichtigEs ist wichtig, die Regeln zu beachten.
interessantDas Buch ist interessant zu lesen.

Diese Konstruktionen tragen oft eine passive Bedeutung: schwer zu lösen = kann schwer gelöst werden. Diesen Zusammenhang zu erkennen hilft bei Satztransformationsaufgaben, in denen zwischen Passiversatzformen und Infinitivkonstruktionen umgewandelt wird.

Infinitiv ohne „zu"

Nach bestimmten Verben steht der Infinitiv ohne zu. Ein überflüssiges zu macht den Satz schlicht ungrammatisch und ist einer der häufigsten Fehler überhaupt:

Modalverben: müssen, können, dürfen, sollen, wollen, mögen (möchten)

  • Er muss die Aufgabe lösen.
  • Er muss die Aufgabe zu lösen.

lassen (jemanden etwas tun lassen; etwas in Auftrag geben)

  • Er lässt das Auto reparieren.
  • Sie lässt die Kinder spielen.

Wahrnehmungsverben: sehen, hören, fühlen

  • Ich sehe ihn kommen.
  • Wir hören sie singen.

helfen, lernen, lehren (in einfachen Fügungen meist ohne zu)

  • Er hilft ihr kochen.
  • Sie lernt schwimmen.

Merkhilfe: Nach Modalverben, lassen, sehen, hören: kein zu!

brauchen: ein Quasi-Modalverb

brauchen verhält sich in seiner Bedeutung wie ein Modalverb (es ist das Gegenstück zu müssen in der Verneinung), verlangt aber im Unterschied zu echten Modalverben immer zu:

  • Sie brauchen das nicht zu machen. = Sie müssen das nicht machen.
  • Du brauchst nur den Antrag auszufüllen. (trennbares Verb → zu wird eingefügt)

In der Umgangssprache wird brauchen oft ohne zu verwendet (Du brauchst das nicht machen), doch in der Schriftsprache und in der EPD gilt: Immer brauchen + zu + Infinitiv.

lassen im Perfekt

Wenn lassen als modales Verb verwendet wird (im Sinne von „etwas veranlassen"), steht im Perfekt die Infinitivform lassen, nicht das Partizip II gelassen:

  • Er hat sich die Haare schneiden lassen.
  • Er hat sich die Haare schneiden gelassen.

Dieses Muster entspricht dem der Modalverben im Perfekt (hat machen können, hat gehen müssen). Der doppelte Infinitiv steht am Satzende.

Häufige Fehler

Fehler 1: um...zu bei verschiedenen Subjekten

Er schreibt ihr, um ihr zu helfen. (stimmt nur, wenn er selbst hilft)
Hilft jemand anderes, muss damit stehen:
Er schreibt ihr, damit ihre Mutter ihr helfen kann.

um...zu geht nur, wenn beide Satzteile dasselbe Subjekt haben.

Fehler 2: zu bei trennbaren Verben falsch platziert

Er versucht, das Zimmer aufräumen zu. (zu am Ende)
Er versucht, das Zimmer zu aufräumen. (zu vor dem Präfix)
Er versucht, das Zimmer aufzuräumen. (zu zwischen Präfix und Stamm)

Fehler 3: zu nach Modalverben

Er kann die Aufgabe zu lösen. (ungrammatisch)
Er kann die Aufgabe lösen.

Fehler 4: Komma vergessen

Infinitivkonstruktionen mit um, ohne, anstatt sowie deutlich erkennbare Infinitivgruppen nach Verben werden immer durch ein Komma abgetrennt:

Er lernt Deutsch**,** um die Prüfung zu bestehen.
Er versucht**,** die Aufgabe zu lösen.

Transformation: Nebensatz → Infinitivkonstruktion

NebensatzInfinitivkonstruktion
damit er die Prüfung bestehtum die Prüfung zu bestehen
ohne dass er es weißohne es zu wissen
anstatt dass er lerntanstatt zu lernen

Wann wird 'um ... zu' verwendet?

Er versucht, das Problem ··· ···. Es ist wichtig, pünktlich ··· ···.

Welcher Satz ist grammatisch korrekt?

Wie lautet der korrekte Infinitiv mit 'zu' von 'aufräumen'?

Formen Sie den Nebensatz in eine Infinitivkonstruktion um: 'Er lernt täglich, damit er die Prüfung besteht.'

Formen Sie den Nebensatz in eine Infinitivkonstruktion um: 'Er verließ das Büro, ohne dass er sich verabschiedete.'

Er hört auf, ··· ···. (rauchen) | Sie hat vor, das Zimmer ···zuräumen. (auf) | Er kann die Aufgabe ··· (lösen, kein 'zu'!).

Tipps für die EPD

  • Infinitivkonstruktionen kommen in Transformationsaufgaben ständig vor. Steht im Original damit mit gleichem Subjekt → ersetzen Sie durch um...zu; ohne dassohne...zu; anstatt dass(an)statt...zu.
  • Schnelltest: Lässt sich das Subjekt des Nebensatzes weglassen, ohne dass sich der Sinn ändert? Dann ist eine Infinitivkonstruktion möglich.
  • Prüfen Sie immer, ob das Subjekt identisch ist. Wenn nicht, muss ein damit-Satz bleiben.
  • Bei aufhören, anfangen, vorhaben denken Sie an das eingeschobene zu (aufzuhören, anzufangen, vorzuhaben).
  • Nach Modalverben (können, müssen, wollen usw.) steht vor dem Infinitiv niemals ein zu.

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