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Grafikbeschreibung

Eine Grafik beschreiben -- klingt machbar. Genau darin liegt die Falle. Die typischen Fehler entstehen nicht, weil Studierende die Daten falsch lesen, sondern weil sie die Struktur missachten: Beschreibung und Interpretation werden vermischt, oder die Meinung steht ohne Begründung da. Der Prüfer achtet sofort auf eines: Hat der Text die viergliedrige Struktur? Ist die Beschreibung sauber von der Interpretation getrennt?

Die wichtigste Falle

Beginnen Sie Ihre Einleitung nie mit einer Zahl. Der erste Satz nennt das Thema, den Diagrammtyp, die Quelle und den Zeitraum -- nicht die erste konkrete Zahl:

„Das Balkendiagramm der Statistik Austria zeigt die durchschnittliche Bildschirmzeit österreichischer Jugendlicher von 2019 bis 2023."

„Im Jahr 2019 betrug die Bildschirmzeit 2,5 Stunden." ← Das gehört in die Beschreibung, nicht in die Einleitung.

Aufbau einer Grafikbeschreibung

Vier Abschnitte, vier klar getrennte Aufgaben:

AbschnittInhaltUmfang
EinleitungWas zeigt die Grafik? (Diagrammtyp, Quelle, Zeitraum, Thema)2–3 Sätze
BeschreibungZentrale Daten (Trends, Extremwerte, Vergleiche) -- ohne jede Deutung5–8 Sätze
InterpretationWarum sehen die Daten so aus? (mögliche Ursachen, Zusammenhänge)3–5 Sätze
StellungnahmeIhre Meinung mit Begründung: Was bedeutet das? Was sollte geschehen?3–4 Sätze

Einleitung -- nützliche Formulierungen

  • Die Grafik zeigt / stellt dar ...
  • Das Diagramm gibt Auskunft über ...
  • Aus der Tabelle geht hervor, dass ...
  • Die Statistik stammt aus dem Jahr ... und zeigt ...
  • Laut der Grafik des Statistischen Bundesamtes ...

Die Beschreibung lebt von sprachlicher Abwechslung. Wer für jeden Trend nur steigen und sinken verwendet, verliert Punkte für den Wortschatz. Hier die wichtigsten Alternativen:

TrendVerbenNomen
steigensteigen, zunehmen, wachsen, ansteigender Anstieg, die Zunahme, das Wachstum
sinkensinken, abnehmen, zurückgehen, fallender Rückgang, die Abnahme, der Einbruch
stagnierenstagnieren, gleichbleiben, konstant bleibendie Stagnation, das Plateau
schwankenschwanken, variieren, auf und ab gehendie Schwankung, die Volatilität

Ungefähre Angaben

Wenn exakte Werte in einer Grafik nicht klar ablesbar sind -- ein Balken liegt irgendwo zwischen den Gitternetzlinien, oder ein Liniendiagramm hat keine Datenbeschriftungen --, verwenden Sie Näherungswörter, um zu signalisieren, dass Ihre Zahl eine Schätzung ist und kein exakter Wert:

  • rund / etwa / ungefähr + Zahl: „Der Anteil lag bei rund 45 Prozent."
  • knapp unter / knapp über: „Der Wert lag knapp über 3 Millionen."
  • fast / nahezu: „Die Quote erreichte nahezu 80 Prozent."

Diese abschwächenden Ausdrücke zeigen dem Prüfer, dass Sie die Grafik sorgfältig lesen -- statt eine Genauigkeit vorzutäuschen, die die Daten gar nicht hergeben.

Gradangaben

  • stark: stark, deutlich, erheblich, drastisch, markant
  • leicht: leicht, geringfügig, minimal, leicht ansteigend
  • kontinuierlich: kontinuierlich, stetig, gleichmäßig, schrittweise
  • plötzlich: abrupt, sprunghaft, plötzlich
Der Anteil der erneuerbaren Energien ist zwischen 2010 und 2020 ··· gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Kohle deutlich ···. Diese Entwicklung ist auf politische Maßnahmen ···.

Vergleiche ausdrücken

StrukturBeispiel
im Vergleich zuIm Vergleich zu 2010 ist der Wert gestiegen.
im Gegensatz zuIm Gegensatz zu den Männern sinkt der Wert bei Frauen.
währendWährend die Preise steigen, sinken die Löhne.
hingegenDie Städte wachsen. Das Land hingegen verliert Einwohner.
doppelt / dreimal so ... wieDer Wert ist doppelt so hoch wie 2000.

Interpretation -- mögliche Ursachen benennen

Die Interpretation beginnt immer mit einer Distanzformel: Sie vermuten, Sie behaupten nicht. Typische Einstiegsformulierungen:

  • Dies lässt sich damit erklären, dass ...
  • Ein möglicher Grund dafür ist ...
  • Dieser Trend könnte auf ... zurückzuführen sein.
  • Es ist anzunehmen, dass ... eine Rolle spielt.
  • Dazu beigetragen haben dürfte auch ...
··· der Grafik nahm die Arbeitslosigkeit in Deutschland zwischen 2005 und 2019 kontinuierlich ···. ··· ist ein möglicher Grund die stabile wirtschaftliche Entwicklung in diesem Zeitraum.

Stellungnahme -- Bewertung und Ausblick

  • Diese Entwicklung ist aus meiner Sicht ...
  • Ich halte diesen Trend für bedenklich / erfreulich, weil ...
  • Es bleibt zu hoffen, dass ...
  • Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ...
  • Die Gesellschaft/Politik sollte daher ...

In welcher Reihenfolge wird eine Grafikbeschreibung aufgebaut?

Mustertext: So sieht eine gute Grafikbeschreibung aus

Hier ein vollständiges Beispiel mit Anmerkungen. Die Grafik stammt aus einer typischen EPD-Aufgabe.

Grafik: Balkendiagramm: Durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit österreichischer Jugendlicher (12–18 Jahre). 2019: 2,5 Stunden; 2021: 3,8 Stunden; 2023: 4,2 Stunden. Quelle: Statistik Austria.

Aufgabe: Beschreiben Sie die Grafik, nehmen Sie Stellung und schlagen Sie Maßnahmen vor.


Das Balkendiagramm der Statistik Austria zeigt die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit österreichischer Jugendlicher im Alter von 12 bis 18 Jahren im Zeitraum von 2019 bis 2023. ← Einleitung: Grafik vorstellen (Typ, Quelle, Zeitraum)

Laut der Grafik ist die Bildschirmzeit in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2019 verbrachten Jugendliche durchschnittlich 2,5 Stunden täglich vor dem Bildschirm. Bis 2021 stieg dieser Wert deutlich auf 3,8 Stunden an – ein Anstieg von mehr als 50 Prozent. Im Jahr 2023 war ein weiterer, wenn auch moderaterer Zuwachs auf 4,2 Stunden zu verzeichnen. Der stärkste Anstieg lässt sich somit zwischen 2019 und 2021 beobachten. ← Beschreibung: Daten nennen, Trend beschreiben

Dieser Trend lässt sich unter anderem damit erklären, dass die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 Schul- und Freizeitaktivitäten stark einschränkte, wodurch digitale Geräte noch mehr in den Mittelpunkt des Alltags rückten. Hinzu kommt, dass soziale Medien und Streamingdienste gezielt auf eine hohe Verweildauer ausgelegt sind. Es ist anzunehmen, dass auch die zunehmende Verbreitung von Smartphones unter Jugendlichen eine Rolle spielt. ← Interpretation: Ursachen und Zusammenhänge

Meiner Meinung nach ist diese Entwicklung besorgniserregend, da ein übermäßiger Medienkonsum die schulische Leistung und die psychische Gesundheit junger Menschen beeinträchtigen kann. Die Schule sollte daher Medienkompetenz aktiv fördern. Darüber hinaus wären klare Empfehlungen für Eltern sinnvoll, etwa zur Einführung bildschirmfreier Zeiten am Abend. ← Stellungnahme: eigene Meinung + konkrete Maßnahmen

Zusammenfassend zeigt die Grafik einen deutlichen und anhaltenden Anstieg der Bildschirmzeit, der sowohl gesellschaftliche als auch politische Reaktionen erfordert. ← Schluss: Fazit

Was diesen Text auszeichnet:

  • Die Einleitung nennt sofort Diagrammtyp, Quelle und Zeitraum -- keine Zahlen im ersten Satz
  • Alle Datenpunkte werden erwähnt, Veränderungen konkret beziffert (z. B. „mehr als 50 Prozent")
  • Beschreibung und Interpretation sind klar getrennt: „Die Grafik zeigt..." vs. „Dies lässt sich erklären durch..."
  • Die Stellungnahme folgt dem Dreischritt: Behauptung (besorgniserregend) → Begründung (psychische Gesundheit) → Maßnahmen
  • Abwechslungsreicher Wortschatz: kontinuierlich gestiegen, deutlich auf ... angestiegen, moderaterer Zuwachs
  • Rund 240 Wörter -- im empfohlenen Umfang

Häufige Fehler

Einleitung mit einer Zahl beginnen. Siehe oben: erst Thema, Diagrammtyp, Quelle und Zeitraum -- dann Zahlen.

Beschreibung und Interpretation vermischen. In der Beschreibung heißt es: „Die Zahl stieg." Nicht: „Die Zahl stieg, weil..." -- die Begründung gehört in die Interpretation. Diese Vermischung ist der häufigste Punktverlust.

Stellungnahme ohne Begründung. Eine Meinung ohne Begründung ist kein Argument. Jede Bewertung braucht ein „weil" oder „da" mit konkretem Grund.

Nur steigen und sinken verwenden. Monotoner Wortschatz kostet Punkte. Variieren Sie: zunehmen, zurückgehen, stagnieren, schwanken.

Quelle oder Jahr in der Einleitung vergessen. Ohne Quellenangabe ist die Einleitung unvollständig. Der Prüfer erwartet: Diagrammtyp + Quelle + Zeitraum + Thema.

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