Beurteilungskriterien der mündlichen EPD
Der VWU veröffentlicht für die mündliche Prüfung kein Kriterienraster. Das offizielle Prüfungsmodell nennt keine vier Kategorien und keine Punktetabelle. Was es nennt, ist eine Beschreibung dessen, was Sie zeigen sollen. Der wichtigste Satz darin lautet: „Nicht Ihr Wissen, sondern Ihre Deutschkenntnisse werden geprüft."
Was das Modell tatsächlich sagt
Das genügt nicht: kurze, fehlerhafte Sätze aus einem kleinen Wortschatz; auswendig Gelerntes mechanisch aufsagen.
Das sollen Sie zeigen: dass Sie das Gelernte so einsetzen, wie die Aufgabe oder das Gespräch es verlangt; dass Sie die Prüfer verstehen und auf sie reagieren; dass Sie deutlich machen können, wenn Sie etwas nicht verstanden haben, wenn Sie anderer Meinung sind oder wenn Sie zu einem Thema nichts Genaues wissen; dass Sie eigene Fehler mit Hilfe der Prüfer selbst korrigieren; dass man Sie ohne Anstrengung und ohne Missverständnisse versteht.
Das ist nicht nötig: perfekt oder fehlerfrei zu sprechen.
Der Prüfungskommission gegenüber sitzen drei Personen
Ihre Prüferin oder Ihr Prüfer, eine zweite Lehrkraft des VWU und eine Vertretung der Universität. Für die Vorbereitungszeit stellt der VWU ein einsprachiges deutsches Wörterbuch zur Verfügung; in der schriftlichen Prüfung ist umgekehrt gar kein Wörterbuch erlaubt.
Die vier Übungskategorien von VWUPass
Die folgenden vier Kategorien sind unsere, nicht die des VWU. Wir brauchen sie, um Ihnen zu einer Übungsaufnahme überhaupt eine Rückmeldung geben zu können, und sie sind an der Beschreibung oben ausgerichtet. Erwarten Sie sie nicht auf einem Prüfungsprotokoll.
1. Erfüllung der Aufgabe
Das wichtigste Kriterium. Der Prüfer fragt sich: Hat der Kandidat die Aufgabenstellung wirklich verstanden und bearbeitet?
Was bedeutet das konkret?
- Bei Teil 1 (Monolog): Haben Sie alle Leitfragen behandelt? Haben Sie eine klare Position eingenommen und diese begründet?
- Bei Teil 2 (Dialog): Gehen Sie auf die Fragen des Prüfers ein, oder reden Sie aneinander vorbei?
Häufiger Fehler: Auswendig gelerntes Allgemeinwissen wiedergeben, ohne auf den konkreten Impuls einzugehen.
Tipp: Lesen Sie die Leitfragen sorgfältig. Nummerieren Sie sie in Ihren Notizen und haken Sie ab, was Sie behandelt haben.
2. Flüssigkeit und Aussprache
Der Prüfer beobachtet, wie natürlich und verständlich Sie sprechen. Perfekte Aussprache ist kein Ziel; verständliches Sprechen schon.
Was bedeutet das konkret?
- Sprechen Sie in vollständigen Sätzen, oder brechen Sie ab?
- Gibt es lange Pausen, in denen Sie nach Worten suchen?
- Können Sie Ihre Gedanken flüssig verbinden?
Was nicht gewertet wird: Akzent. Ein starker Akzent ist kein Fehler, solange man Sie versteht.
Tipp: Üben Sie das laute Sprechen, allein zu Hause, nicht nur mental. Flüssigkeit kommt durch Übung, nicht durch Lernen.
3. Wortschatz
Die Prüfer achten auf Vielfalt und thematische Angemessenheit, nicht auf Seltenheit.
Was bedeutet das konkret?
- Verwenden Sie themenspezifische Ausdrücke? (z.B. beim Thema Umwelt: Treibhauseffekt, erneuerbare Energien, CO₂-Emissionen)
- Benutzen Sie passende Redemittel für Meinungen, Vergleiche, Schlussfolgerungen?
- Wiederholen Sie dasselbe Wort ständig, oder variieren Sie?
Häufiger Fehler: Nur einfache, alltägliche Wörter verwenden, weil man sich damit sicher fühlt. Das reicht für eine gute Bewertung nicht aus.
Tipp: Für jedes Thema 10 Schlüsselwörter und 5 Redemittel vorbereiten.
4. Korrektheit der Strukturen
Grammatikfehler werden bewertet, aber die Menge ist nicht alles: Die Schwere zählt.
| Fehler | Auswirkung |
|---|---|
| Einzelne Fehler bei Artikeln, Kasus | Kein Punktabzug |
| Falsche Verbkonjugation im Nebensatz | Leichter Abzug |
| Fehler, die das Verständnis erschweren | Deutlicher Abzug |
| Fehler, die den Sinn entstellen | Starker Abzug |
Was positiv auffällt: Komplexe Strukturen (Nebensätze, Konjunktiv II, Passiv), auch wenn manchmal fehlerhaft. Wer es versucht und dabei kleine Fehler macht, wird besser bewertet als jemand, der nur Hauptsätze produziert.
Tipp: Konjunktiv II lernen und einbauen: „Man könnte ... einführen.“ / „Es wäre sinnvoll, wenn ...“
Was nicht bewertet wird
- Inhaltliche Korrektheit der Fakten: Sie dürfen falsche Zahlen nennen, solange der Gedankengang stimmt
- Akzent: kein Fehler, solange man Sie versteht
- Originalität der Ideen: Bekannte, gut strukturierte Argumente sind völlig ausreichend
Prüfungsablauf: Was Sie wissen müssen
| Phase | Dauer | Was passiert |
|---|---|---|
| Vorbereitung | mindestens 15 Minuten | Sie wählen aus 2 Impulsen einen aus und bereiten sich vor |
| Teil 1: Monolog | 5 Minuten | Freie Präsentation mit Leitfragen |
| Teil 2: Dialog | 5 Minuten | Spontanes Gespräch mit dem Prüfer zu einem neuen Impuls |
| Gesamt (Sprechen) | 10 Minuten | Prüfung ohne Unterbrechung |
Wichtig für Teil 2: Der Dialog-Impuls ist neu (nicht derselbe wie beim Monolog). Sie haben keine Vorbereitungszeit. Antworten Sie spontan und natürlich.
Checkliste
Inhalt:
- ☐ Alle Leitfragen behandelt?
- ☐ Klare Position eingenommen?
- ☐ Begründungen und Beispiele gegeben?
- ☐ Maßnahmen / Lösungen vorgeschlagen?
Sprache:
- ☐ Thematischen Wortschatz vorbereitet?
- ☐ Redemittel für Meinung, Vergleich, Schlussfolgerungen geübt?
- ☐ Mindestens 2 komplexe Grammatikstrukturen eingebaut?
- ☐ Schlussformel vorbereitet?
Vortrag:
- ☐ Laut geübt (nicht nur gelesen)?
- ☐ Blickkontakt gehalten (nicht auf Notizen geschaut)?
- ☐ Übergänge zwischen Punkten klar?
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